Nr. 19/2022 vom 12.05.2022

Amseln statt Netflix

Von Stephan Pörtner

Das Beobachten von Vögeln, wenn auch nur im eigenen Hinterhof, ist zumindest tagsüber eine valable Alternative zu den Streamingdiensten, denen bei näherer Betrachtung schon lange nichts Neues mehr einfällt und die einzig wegen des pandemiebedingt gesteigerten Ablenkungsbedürfnisses während der letzten zwei Jahre mit ihrem halb garen Quatsch durchgekommen sind. Viel interessanter ist dagegen der Versuch, festzustellen, ob die Amseln dieses Jahr tatsächlich etwas mager sind, nervenaufreibend die Überlegung, ob sie wohl bald aussterben werden, hingerafft für einmal nicht vom Klimawandel, sondern von der gemeinen Hauskatze, die sich derart verbreitet hat, dass offen ist, wer zuerst verschwindet: die Amsel oder Netflix.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Pöschwies») und lebt in Zürich. 2022 ist sein neuer Roman, «Heimatlos», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Heimaltos» und «‹Pöschwies›» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.

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