Nr. 25/2022 vom 23.06.2022

Ein Hauch anarchischer Mikrowiderstand

Von Stephan Pörtner

Der angesichts breiter teilzeitarbeitender Bevölkerungsschichten etwas in Vergessenheit geratene blaue Montag wurde trotz allem noch hier und da gefeiert, von Werktätigen, die an diesem Wochentag einfach nicht zur Arbeit erschienen, sondern die Zeit für ein Bad im See nutzten oder einen Besuch im Gartencenter machten, um die Balkonkräutersaison spät, aber doch noch einzuläuten. Inzwischen hielt sich der volkswirtschaftliche Schaden aufgrund von Gleitarbeitszeiten und Überstundenkompensationsregelungen einigermassen im Rahmen, doch umwehte den blauen Montag für diejenigen, die ihn zelebrierten, trotz allem noch ein Hauch anarchischer Mikrowiderstand, der es so viel schmackhafter machte, diese Tätigkeiten nicht am ebenso gut geeigneten freien Freitag auszuführen.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Pöschwies») und lebt in Zürich. 2022 ist sein neuer Roman, «Heimatlos», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Heimatlos» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop, www.woz.ch/shop, als Buch erhältlich.

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