Streik bei der Swiss? : Pilot:innen lehnen GAV ab

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Das Manöver ist gescheitert: Anfang 2021, fast ein Jahr nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie, kündigte die Swiss den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) mit ihren Pilot:innen auf. Begründet wurde der Entscheid damit, dass der Vertrag zu wenig krisenfest sei. Seine Gültigkeit verlor er aber erst vor wenigen Monaten, im vergangenen April. Die Swiss war zu diesem Zeitpunkt bereits wirtschaftlich wieder auf Kurs – obwohl der alte GAV über die ganze Krisenzeit hinweg noch in Kraft gewesen war. Einen besseren Beweis für seine Krisenfestigkeit hätte es nicht geben können.

Das sehen auch die Swiss-Pilot:innen so. Die Mitglieder von deren Gewerkschaft Aeropers haben letzte Woche in einer Urabstimmung über den ihnen neu vorgelegten GAV 2022 befunden: Sie schmetterten ihn mit 80,5 Prozent Nein-Stimmen-Anteil ab. Er hätte gemäss Angaben der Gewerkschaft die Arbeitsbedingungen der Pilot:innen nachhaltig verschlechtert.

Mit dem deutlichen Ergebnis der Urabstimmung stehen die Pilot:innen noch immer ohne GAV da. Sie seien weiterhin zu Verhandlungen bereit, schreibt Aeropers. Implizit macht sie aber klar, dass auch ein Streik möglich ist, sollte sich die Geschäftsleitung der Swiss nicht kooperativ zeigen. «Einerseits müssen die Pilotinnen und Piloten von Swiss der Geschäftsleitung offenbar noch deutlicher zeigen, dass sie unzufrieden sind», lässt sich Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffmann in der Medienmitteilung zitieren. «Andererseits wollen sie der eigenen Firma und den Kundinnen und Kunden nicht schaden.» Zurzeit sei offen, wie stabil der Flugbetrieb in den nächsten Wochen sein werde, macht die Gewerkschaft klar.

Neben den Pilot:innen befindet sich derzeit auch das Bodenpersonal am Flughafen Zürich in einem Konflikt mit seinem Arbeitgeber Swissport. Auch Swissport setzte zuletzt unter dem Vorwand der Krise eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch (siehe WOZ Nr. 27/2022 ). Der entsprechende Krisen-GAV wurde im letzten Juni von den Gewerkschaften gekündigt. Die Neuverhandlung ist derzeit in Gang.