Agrarpolitik: Auch kleine Höfe haben Geld verdient

Nr. 9 –

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Letzte Woche haben Bundesrat Guy Parmelin und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) ihre Pläne zur nächsten agrarpolitischen Reformetappe, zur AP30+, vorgestellt. Sie soll im Herbst in die Vernehmlassung kommen. Manches daran ist positiv: Pflanzen für die menschliche Ernährung wie Soja und Linsen sollen gefördert, die Position der Landwirtschaft gegenüber Verarbeitung und Handel gestärkt, Pächter:innen besser geschützt und importierte Tierquälprodukte, etwa von ohne Betäubung kastrierten Tieren, deklariert werden. Doch ökologisch bleibt der Bundesrat hinter den Erwartungen zurück. Die geplante Lenkungsabgabe auf Kunstdünger und Pestizide hat er gestrichen. «Triumph für die SVP und den Bauernverband», titelte die Zeitung «Schweizer Bauer» am Samstag.

Dass bei der Biodiversitätsförderung künftig das Resultat zählen soll und die Landwirt:innen selbst entscheiden können, wie sie es erreichen, statt wie bisher ein starres Prozedere befolgen zu müssen, ist an sich zu begrüssen. Allerdings wird auch dieses Modell nicht ohne Kontrollen auskommen: Jemand muss prüfen, ob die erwünschten Pflanzen auch wirklich da sind. Das BLW wird noch beweisen müssen, dass die versprochenen «administrativen Vereinfachungen» nicht auf Kosten der Umwelt gehen.

Kritisch zu beurteilen sind auch zwei weitere Neuerungen: Im Tal- und Hügelgebiet soll die Untergrenze, ab der ein Hof Direktzahlungen bekommt, angehoben werden. Gleichzeitig möchte der Bundesrat die Ausbildungsanforderungen für Direktzahlungsbezüger:innen verschärfen: Die bei Quereinsteiger:innen beliebten Nebenerwerbskurse sollen nicht mehr genügen.

Beides ist ökologisch und sozial fragwürdig, denn oft sind es gerade die Quereinsteiger:innen auf Kleinbetrieben, die besonders ökologisch bauern, alternative Anbaumethoden ausprobieren, neue Produkte und Vermarktungsformen entwickeln. Ja, Landwirtschaft braucht Fachwissen, aber dazu gehören auch Erfahrungen aus verwandten Berufen oder auf einer Alp. Erwachsene, die in die Branche einsteigen wollen, können sich eine Lehre oft schlicht nicht leisten.