20.10.2019

15.00: Alles auf Grün

Von Kaspar Surber (Text) und Florian Bachmann (Foto)

Um es im Jargon der SportreporterInnen zu sagen: Hier im Zielhang, im Bundeshaus, ist es noch still und ruhig. Die Fernsehsender haben ihre Kulissen aufgebaut, die Hauptstadtregion Bern hat den Gästen ein reichhaltiges Buffet bereitgestellt, PolitikerInnen sind fast noch keine in Sicht. So haben wir als gute JournalistInnen getan, was wir in solchen Situationen immer tun: zugegriffen. Besten Dank, Hauptstadt!

Als Erster eingetroffen ist der Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli. «Heute ist ein Freudentag! Wir werden unsere Ziele übertreffen», sagt er in die Kameras. Kein Wunder, ist Glättli gut gelaunt ob der Resultate, die aus den Kantonen eintreffen. Links-Grün gewinnt, die SVP verliert, und das deutlicher als bisher erwartet: Beispielhaft dafür ist der Kanton Basel-Stadt, in dem die linken Parteien ihre drei Sitze verteidigen können. Gewackelt hatte der Sitz der grün-alternativen Sibel Arslan. Nun gewinnt sie das Duell gegen SVP-Mann Sebastian Frehner. Damit verliert das Parlament einen seiner profiliertesten Krankenkassen- und Bankenlobbyisten: Frehner ist Mitglied im Verwaltungsrat der Bank Cler wie auch in der Groupe de réflexion bei der Versicherung Mutuel.

Eine Reflexionsgruppe werden sie wohl bald auch in Herrliberg gründen müssen, wenn das so weitergeht: Bereits weg ist ein SVP-Sitz auch in Uri, hier gewann ein junger CVPler; ebenso drohen gemäss Hochrechnungen Sitzverluste in Graubünden, im Aargau und in St. Gallen. Die voraussichtlichen Gewinner: GLP, SP und Grüne. In Zürich können die GLP und die Grünen deutlich punkten, hier verliert allerdings die SP. Die bisher sensationellste Nachricht kommt aus dem Kanton Glarus: Dort schnappt der Grüne Mathias Zopfi dem SVP-Amtsinhaber Werner Hösli einen Ständeratssitz weg. Und auch in Genf erzielt Lisa Mazzone von den Grünen bei den Ständeratswahlen ein Spitzenresultat: Gut für die Flüchtlingspolitik.

Ein erstes, vorsichtiges Fazit: Die Grünen und die Grünliberalen gewinnen. Die SP muss noch etwas bangen. Nur wenn sie einigermassen stabil bleibt, reicht es für einen Linksrutsch. Mit der Ruhe im Zielhang wird es bald vorbei sein.