20.10.2019

18.00: Wie lief es, Herr Wermuth?

Von Sarah Schmalz (Text) und Florian Bachmann (Foto)

Cédric Wermuth, der Shootingstar. Früher Enfant terrible, heute gestandener Nationalrat. Wermuth also will in den Ständerat. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der 33-Jährige einen der bemerkenswertesten Wahlkämpfe der letzten Zeit geführt. Er tourte durch den Kanton, sprach in den Stuben von Herrn und Frau Schweizer über den Kapitalismus, die Banken, die Pharmaindustrie. Wollte eine Bewegung schaffen. Gegenüber der WOZ sagte Wermuth vor ein paar Wochen, er wolle nicht mit Taktieren in den Ständerat einziehen, sondern die grossen Zusammenhänge vermitteln und NeuwählerInnen mobilisieren.

Nun also liegt das Resultat dieses Wahlkampfs vor: Wermuth gewinnt im Kanton Aargau knapp ein Drittel der Stimmen, ist jedoch mit rund 17 000 Stimmen deutlich hinter SVP-Konkurrent Hansjörg Knecht. Ganz vorne liegt FDP-Kandidat Thierry Burkart, der die Wahl jedoch auch nicht im ersten Wahlgang geschafft hat. 

Bei der SP-Basis im Restaurant Krone in Aarau ist Wermuth an diesem Wahlsonntag noch nicht aufgetaucht. «Er ist ja fast schon seine eigene Firma», sagt ein Anwesender zu einem anderen. Die grosse Frage hier: Ist das nun ein gutes Resultat? Rein rechnerisch könne es noch klappen, sagt jemand, «aber es wird schwierig.» Wermuth selbst vermailt Optimismus: «Noch mehr Stimmen als in der letzten Umfrage, das Resultat spricht für uns, der Trend geht in die richtige Richtung!»

Dann erscheint er doch noch in der «Krone». Er sei zufrieden, so der SPler. «Das Ziel waren 30 bis 35 Prozent. Etwas näher an 35 Prozent wäre natürlich schöner gewesen.» Angesichts des Gesamtergebnisses der SP müsse man aber froh sein, die SP Aargau habe entgegen dem nationalen Trend gewonnen. «Das liegt sicher an der Mobilisierungslogik meiner Kampagne.»

Fakt ist: Die erhoffte Explosion war das nicht. Immerhin aber hat Wermuth ausgerechnet im Kanton Aargau, wo auch nach diesem Wahlsonntag rund ein Drittel rechts wählt, mit einer dezidiert linken Kampagne dreissig Prozent der WählerInnen erreicht. Das alleine ist bemerkenswert. Im zweiten Wahlgang kommt es nun ganz darauf an, wer die Stimmen der nicht mehr Antretenden auf sich vereinen kann. Weil im Kanton Aargau mit Philipp Müller (FDP) und Pascale Bruderer (SP) gleich beide bisherigen StänderätInnen nicht mehr kandidierten, kämpften im ersten Wahlgang zehn KandidatInnen um die frei werdenden Sitze.

Im zweiten Wahlgang kann Wermuth auf die Stimmen der Grünen Ruth Müri hoffen, falls diese nicht mehr antritt. Die entscheidende Frage aber bleibt, wohin die Stimmen der MittekandidatInnen wandern. Man müsse nun genau die Taktik und die Allianzen analysieren, sagt Wermuth.