Hundeleben : Wow! Hundecontent?

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Ein knuffiger Bernhardinerwelpe, mehr «Jö» geht nicht. An diesem Mittwoch startet der Film «Mein Freund Barry» im Kino, ein Epos über den legendären Lawinenhund mit Fässchen um den Hals. Und die WOZ startet ihre Hundekolumne. Warum eigentlich? Es gibt viele Gründe. Tiergeschichten sind lustiger als die heutige Politik, zudem gibt es viele Hunde und mit ihnen unendlich viele Probleme, doch der aus persönlicher Sicht naheliegendste Grund: Es ist das Thema, von dem ich am meisten verstehe. Seit ich vierzehn war, habe ich durchgehend Hunde. Das sind schon über vierzig Jahre.

Viele Menschen haben Angst vor Hunden. Kann ich gut verstehen. Als ich Teenager war, hatte ich allerdings mehr Angst vor der Welt als vor Hunden. Meiner Mutter ging es genauso. Sie glaubte, hinter jedem Baum lauere ein Mann, der ihren Kindern etwas antun möchte. In den 1980er Jahren gab es in der Schweiz eine grausame Serie: 21 Kinder wurden entführt – von 14 fand man die Leiche, 7 der Opfer wurden nie gefunden. 12 dieser Fälle sind nie aufgeklärt worden.

Auch aufgrund dieser Umstände konnte ich meine Eltern nötigen, einen Hund anzuschaffen. Es war ein Leonberger, ein schöner Hund. Vor allem war er gross und respekteinflössend. Was meine Mutter davon überzeugte, der Hund würde mich beschützen. Das änderte vieles: Solange der Hund dabei war, konnte ich als Teenager auch spät nachts nach Hause kommen und hatte meine Freiheit. Was niemand wusste: In dieser grossen, prächtigen Hündin wohnte eine ängstlicher Charakter. Viola, so hiess das Tier, hätte mich nie verteidigt. Doch das war auch nie nötig – allein ihre Erscheinung wirkte wie eine potenzielle, abschreckende Waffe.

Hundebesitzer:innen wollen das zwar oft nicht wahrhaben, aber manche ihrer Tiere sind nicht nur lästig, sie können wirklich gefährlich sein. Es ist noch keine zwei Jahre her, da wurde mein aktuelles Tier (Neelix, wesentlich kleiner als Viola) fast von einem anderen Hund getötet. Nur durch einen glücklichen Zufall hatte dieser nicht die Halsschlagader erwischt. Der Tierarzt nähte Neelix wieder zusammen. Was ich damit sagen möchte: Auch Hundephile fürchten sich vor Hunden oder vielmehr vor Hundebesitzer:innen, die ihre Tiere nicht unter Kontrolle haben.

Über Hunde lässt sich viel über die Gesellschaft erzählen. Sie sind überall anzutreffen, als Streuner oder teure Rassehunde, im Krieg oder auf dem Teller, in Versuchslabors oder eben im Film. Nach vierzig Jahren mit Hunden weiss ich: Eine Leine ist nicht einfach eine Leine. Die Verbindung zwischen Mensch und Hund ist uralt und urkompliziert. Fangen wir also an, diese Verbindung ein wenig zu entwirren.

Unsere Redaktorin Susan Boos hält seit über vier Jahrzehnten Hunde. In ihrer neuen Kolumne schreibt sie über das Vermenschlichte am Hund und das Politische im Tier. Die Serie erscheint jeden Mittwoch auf woz.ch.