Hundeleben : Holy Robidog

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Als die ersten Robidog-Kästen aufgestellt wurden, dachten viel: Das funktioniert nie. Nur schon der Gedanke, den Dreck seines Hundes anfassen zu müssen, empfanden viele als … grusig.

Das war Anfang der achtziger Jahre. Ich war noch Teenager, hatte meinen ersten Hund und glaubte, es sei ein subversiver Akt, das System Robidog zu boykottieren. Doch dann kam es anders. Robidog wurde eine Erfolgsgeschichte, und auch ich sammle längst den Dreck meiner Tiere ein, um ihn einzuwerfen. Die leuchtend grünen Behälter verkörpern das schweizerische Bünzlitum – und trotzdem möchte man sie nicht mehr missen.

Robidogs Erfolg hat drei Gründe. Erstens: Alle hassen es, wenn sie in einen Scheisshaufen treten, auch Hundebesitzer:innen. Zweitens: Das System wirkt befriedend; das Hundehassargument Nummer eins – die zugekackten Pärke und Trottoirs – verschwand fast über Nacht. Drittens: Es ist verblüffend effizient, simpel, günstig.

Die Robidog-Geschichte beginnt 1979: Der Thuner Hundebesitzer Joseph Rosenast reist nach Italien in die Ferien. Er realisiert, dass wegen des ungelösten Hundekotproblems an vielen Orten ein Hundeverbot gilt. Das bringt ihn auf die Idee, eine «Hundekot-Deponie mit Säcklein-Dispenser» zu entwickeln. Zusammen mit seinem Kollegen Heinrich Bisatz baut er einen Prototypen. Bisatz verlässt das Unternehmen bald, doch sein Name steckt immer noch im Mischwort Robidog: ROsenast, BIsatz und DOG für Hund.

Rosenast baute das System weiter aus, immer mehr Gemeinden bestellten die Kästen. 2008 stirbt er mit 78 Jahren. Danach wird die Firma verkauft. Heute heisst sie Robi AG und ist im aargauischen Wallbach domiziliert. Inzwischen gibt es Robidog-Kästen in diversen Ausführungen: elegante Edelstahlbehälter mit Aschefach für die Raucher:innen, aus Plastik, rustikalem Holz, mit oder ohne Hundetütchen. Zu Umsatz oder Gewinn will sich der heutige Geschäftsführer und Mitinhaber, Heinz Zumsteg, nicht äussern: «Der Grund liegt darin, dass wir (leider) kein Monopol haben und unseren Marktbegleitern keine Informationen zu den Verkaufszahlen geben wollen», schreibt er auf Anfrage. Aber sie würden 3500 Gemeinden beliefern, teilt er mit. Die Schweiz hat nur etwa 2100 Gemeinden. Es gibt wohl kaum eine, die keinen Robidog hat. Daneben sind die Kästen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden anzutreffen.

Die Robi AG rechnet auf ihrer Website vor, was die «Hundekot-Deponie mit Säcklein-Dispenser» so kostet: Der Jahresverbrauch pro Hund liege durchschnittlich bei rund 500 Beuteln. «Die Kosten dafür betragen CHF 7.40–10.50 in Abhängigkeit der gewählten Produkte und Bestellmengen.» Das ergibt bei landesweit rund 550 000 Hunden Kosten von rund fünf Millionen Franken pro Jahr.

Keine Bange, das zahlen die Hundebesitzer:innen über die Hundesteuer selbst.

WOZ-Redaktorin Susan Boos hält seit über vier Jahrzehnten Hunde. In ihrer neuen Kolumne schreibt sie über das Vermenschlichte am Hund und das Politische im Tier. Die Serie erscheint jeden Mittwoch auf woz.ch.