Hundeleben : Der Supermischling

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Mit Hunderassen ist es so eine Sache, jeder Hund auf der Strasse wird taxiert: «Was ist das für einer?» Ein Labrador, ein Pudel, ein Deutscher Schäfer, ein Pitbull oder doch ein Bastard? Die Rassenkunde kann hilfreich sein – selbst für Hundephobe, denn ein Kleinpudel oder ein Labrador ist meist harmlos, ein Kampfhund nicht unbedingt.

Die Definitionsmacht, was eine Rasse ist oder wie ein reinrassiger Hund auszusehen hat, liegt primär bei der Fédération Cynologique Internationale (FCI). Sie ist der grösste und mächtigste kynologische Dachverband der Welt – quasi die Fifa der Hundewelt. Auch die FCI ist als Verein organisiert und hat darüber hinaus auch sehr viel Macht.

Die Menschen haben Hunde während Jahrtausenden als Hilfsarbeiter eingesetzt. Man behielt die Welpen, deren Eltern die Arbeit am effizientesten erledigten. Jede Region hatte ihre Arbeitshunde. Das Züchten als Volkssport kam erst Ende des 19. Jahrhunderts auf. Die FCI wurde 1911 gegründet, wirklich zu wachsen begann der Verein aber nach dem Ersten Weltkrieg. Zucht und «Rassereinheit» passten zum Zeitgeist. Heute passt es zum Zeitgeist, dass Hunde gezüchtet werden, die einem Schönheitsideal entsprechen. Der Mops zum Beispiel wird für seinen runden Babykopf geliebt. Deshalb hat man ihm die Nase weggezüchtet. Ohne Nase kann er aber nicht richtig atmen und krepiert fast, wenn es wärmer ist.

Und Neelix, mein aktueller Hund? Auf der Strasse fragen die Leute immer mal wieder, was Neelix für eine Rasse sei. «Ein spanisches Nichts», antworte ich. Irritierte Blicke, wie kann man so lieblos über ein Tier reden? Neelix kommt aus Spanien und ist ein stammbaumloser Tierheimhund. Irgendwann juckte es mich, und ich schickte eine Genprobe an Canix. Diese Firma lebt davon, dass Rassehunde potenziell krank sind. Bevor Züchter:innen ihre «reine» Hündin mit einem «reinen» Rüden zusammenbringen, lassen sie bei Canix abklären, welche Gendefekte in den Tieren stecken.

Canix findet aber auch raus, was in Bastarden steckt. Nach einigen Wochen kam per Mail zurück: «Gratuliere, Ihr Tier ist ein Super-Mischling.» Laut Canix stecken zehn Rassen im kleinen, struppigen Hund, zwölf Prozent Pudel, vier Prozent Dalmatiner und so weiter. Als ob sie mir Mut zusprechen müssten, steht da noch: «Es ist eher nicht davon auszugehen, dass Ihr Hund die für eine der gefundenen Rassen bekannten Erbkrankheiten geerbt hat.» Wie wahr, das Tier ist sechzehn Jahre alt und fit. Ein Hoch auf den Bastard – er ist eben doch das stabilere Fabrikat.

Unsere Redaktorin Susan Boos hält seit über vier Jahrzehnten Hunde. In ihrer neuen Kolumne schreibt sie über das Vermenschlichte am Hund und das Politische im Tier. Die Serie erscheint jeden Mittwoch auf woz.ch.