Hundeleben : Machthunde

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Präsidentenhunde schreiben Weltgeschichte. Besonders berühmt ist die Geschichte von Koni (auch Konni), der schwarzen Labradorhündin von Wladimir Putin. Er brachte sie 2007 zu einem Treffen mit Angela Merkel mit, obwohl die damalige Kanzlerin nach einem früheren Biss Angst vor Hunden hat. Putin behauptete später, er habe davon nichts gewusst, und entschuldigte sich.

Merkel hat die Begegnung anders in Erinnerung. Vor einem Treffen 2006 in Moskau habe sie gebeten, Putins Hund möge nicht dabei sein. Damals respektierte Putin ihre Bitte, wenn auch mit «einer kleinen Gemeinheit» versehen, wie sie in ihren Memoiren «Freedom» schreibt: «Als besonderes Geschenk hat er mir einen grossen Stoffhund überreicht» mit der Bemerkung, der könne nicht beissen. Sie gab das riesige Stofftier an einen ihrer Begleiter weiter, der es während des Staatsbesuchs eine «gefühlte Ewigkeit» mit sich herumschleppen musste.

Ein Jahr später, bei einem Treffen in Sotschi, liess Putin Koni dann doch in den Saal, als er mit Merkel für die Fotograf:innen posierte. Merkel schreibt, sie habe versucht, den Hund zu ignorieren, «obwohl er sich mehr oder weniger unmittelbar neben mir bewegte». Putins Mimik habe sie so interpretiert, dass er Gefallen an der Situation gefunden habe. «Wollte er schauen, wie ein Mensch in Bedrängnis reagiert? War das eine kleine Machtdemonstration?», resümiert sie. Sie habe Putin nicht darauf angesprochen, sondern sich an die englische Adelsregel «Never explain, never complain» (Niemals erklären, niemals klagen) gehalten.

Koni wurde fünfzehn Jahre alt und starb 2014. Gemäss der russischen Nachrichtenagentur Tass soll Putin aktuell mehrere Hunde halten. Die letzten beiden erhielt er vom nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un: zwei Pungsan-Hunde. Die weissen Jagdhunde wurden ursprünglich für die Bären- und Tigerjagd eingesetzt und gelten als nordkoreanisches Nationalsymbol.

Und Donald Trump? Der hält es eher wie Merkel: Er ist seit über hundert Jahren der erste US-Präsident, der im Weissen Haus keinen Hund hält. Als man ihm 2019 im Wahlkampf dazu riet, weil die Liebe der Menschen zu Hunden positiv auf den Kandidaten abfärbe, lehnte Trump ab. Er meinte, dabei würde er sich «phony» fühlen – ein Ausdruck, der sich mit «unecht» oder «vortäuschend» übersetzen lässt (ursprünglich aus dem Irischen für: sich wie ein Schwindler fühlen). Da hatte er wohl einen lichten Moment.

Was sagen Hunde nun über Politiker:innen aus? Sie dienen als Werbeträger, als Imagewaffe, als Provokation – oder sie werden gefürchtet. Kurz: Die Hunde lehren uns – nichts. Machtgierige Menschen halten Hunde oder eben nicht.

WOZ-Redaktorin Susan Boos hält seit über vier Jahrzehnten Hunde. In ihrer neuen Kolumne schreibt sie über das Vermenschlichte am Hund und das Politische im Tier. Die Serie erscheint jeden Mittwoch auf woz.ch.