Hundeleben: Echt und endlich
Eine Wanderung an der ligurischen Küste: Der Ginster blüht, die Hummeln summen, nur Hund Neelix ist nicht mehr ganz munter. Mit seinen sechzehn Jahren wird die Zeit gnadenlos endlich. Nächstes Jahr ist er vermutlich bei den traditionellen Frühlingsferien in Italien nicht mehr dabei. C’est la vie. Es sei denn, man greift in die Trickkiste und klont. Kein Scherz, das geht. In der Schweiz ist das Klonen nicht explizit verboten, aber auch nicht erlaubt. Einführen dürfte man einen Neelix 2.0. Er müsste lediglich die nötigen Impfungen, Papiere und den obligatorisch implantierten Chip haben (seit zwanzig Jahren sind alle Hunde gechippt und registriert, damit man sie nicht klauen und verkaufen respektive aussetzen kann).
Ovoclone ist die führende Tierklonfirma Europas. Sie hat ihren Sitz im spanischen Marbella. Eigentlich ist sie spezialisiert auf das Klonen von Toppferden. Man kann zum Beispiel die Kopie eine Pferdes kaufen, das 1984 zur Welt kam und eine «berühmte Ikone des Springreitens» gewesen sein soll. Wer Pferde klonen kann, müsste es auch mit Hunden können. «Ein Haustier zu verlieren, ist herzzerreissend, aber bei Ovoclone bieten wir eine fortschrittliche Lösung, um Ihre geliebten Tiere durch ein Verfahren des somatischen Zellkerntransfers zu klonen», heisst es auf der Website. «Unsere Technologie […] bietet Tierhaltern eine Möglichkeit, das Wesen ihrer treuen Gefährten lebendig zu erhalten.» Es wird einem empfohlen, möglichst bald eine DNA-Probe seines Lieblings zu sichern. Die Firma wird einem ein entsprechendes Biopsie-Kit zukommen lassen und danach die Zellen fachgerecht lagern, bis man reif ist für die Kopie.
Es steht nirgends, wie teuer es ist. Es steht auch nicht, warum das Klonen in der Kritik steht. Es steht ebenfalls nicht, weshalb Neelix ein schlechter Kandidat ist. Wenn man ein bisschen recherchiert, erfährt man aber schnell: Das Klonen eines Hundes kostet um die 50 000 Franken. Für die Leihmutterhündinnen ist das Prozedere belastend. Die Babyklone sind oft nicht gesund, weisen Fehlbildungen auf, haben bei der Geburt eine geringere Überlebensrate, Atemprobleme, eine vergrösserte fötale Leber und so weiter. Und Neelix ist zu alt: Zellen altern mit – würde man Neelix heute klonen, bekäme man zwar einen jungen Hund, aber seine Zellen wären bereits vorgealtert. Also bleibt Neelix, was er immer war: nicht optimiert, nicht vorproduziert, echt und endlich.
WOZ-Redaktorin Susan Boos hält seit Jahrzehnten Hunde. In ihrer Kolumne schreibt sie über das Vermenschlichte am Hund und das Politische im Tier. Die Serie erscheint jeden Mittwoch auf woz.ch.