Hundeleben: Wau! Wow! Ciao!

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«Wau Wow» heisst ein neues Stück des Theaters St. Gallen, inszeniert von Piet Baumgartner und Julie Paucker. Hundetheater? Im Ernst? Es treten auf: eine Schauspielerin, ein Schauspieler, eine Tänzerin und fünf Hunde (mit ihren Besitzer:innen).

Kürzlich hat es eine erste offene Probe gegeben. Es sei alles noch etwas halbgar, sagen Baumgartner und Paucker, aber sie wollten schauen, wie die Hunde reagierten, wenn Zuschauer:innen auf den Rängen sässen. Und bitte nicht klatschen, fügen sie an, nur die Hände über dem Kopf schütteln, damit die Hunde nicht unnötig getriggert werden.

Dann öffnet sich eine Tür. Capo betritt die Bühne. Vor ihm liegt eine Linie von Leckerlis auf dem Boden. Langsam und bedächtig geht er von Würstchen zu Würstchen, frisst eins, lässt skeptisch eins liegen, geht zurück, um es dann doch zu fressen. Diese Bühnenpräsenz, dieses Innehalten im Moment – wie ein altgedienter Profischauspieler, der mit seinen Pausen Spannung aufbaut. Capo ist ein betagter, kleiner Terriermix. Was er zeigt, ist nicht andressiert, das ginge gar nicht. Er ist einfach so: selbstbewusst, abgeklärt, mit leicht überheblichem Blick ins Publikum.

Auf der Bühne steht ein Dutzend Robidog-Kästen. Plötzlich stürmen von rechts und links ein Labrador und ein Tschechischer Schäferhund herein. Sie spielen – lautlos, rhythmisch, hin und her, hin und her. Eine Choreografie wie ein ausgelassener Tanz.

Darum gehe es ihnen, sagen Baumgartner und Paucker: «Kein Zirkus, keine Kunststücke, sondern Theater, das auch den Hunden Spass macht.» Sie beide haben einen Hund. Die Frage, wie Mensch und Hund zusammen agieren, interessiert sie – was der eine mit dem anderen macht und umgekehrt, das wollen sie auf die Bühne bringen.

Die Schauspieler:innen geben dem Ganzen Tiefenschärfe. Da ist zum Beispiel diese Szene einer Hundeshow. Auf der Bühne präsentiert ein Mann seine Königspudelhündin (die Tänzerin im flauschigen Pelz, vom Schauspieler an der Leine über die Bühne geführt). Sie posiert elegant, tänzelt hinter ihrem Herrchen her, lässt sich von ihm das Gebiss begutachten. Die Szene ist zum Brüllen komisch und gleichzeitig schmerzhaft.

Dieser Mix zwischen Schauspieler:innen, die rotzig, frech, ironisch über Hundehaltung sinnieren, und den Hunden, die ihnen nebenbei die Show stehlen, hat etwas unglaublich Vergnügliches und Abgründiges.

St. Gallen, Lokremise, 23. April, Einführungssoirée, 19.30  Uhr; Premiere: 30. April.

WOZ-Redaktorin Susan Boos hält seit Jahrzehnten Hunde. In ihrer Kolumne «Hundeleben» hat sie über das Vermenschlichte am Hund und das Politische im Tier geschrieben. Die Serie endet mit diesem Text. Alle Teile der Kolumne finden Sie auf woz.ch.