Frag die WOZ : Wie finde ich eine Wohnung in Zürich?
«Wie finde ich eine Wohnung in Zürich?»
E. K., per Mail
Gute Frage, aber ist das wirklich ein Problem? Im Stadtkreis 11 etwa, in Oerlikon, gibt es in einem Neubau unter dem schönen Namen «Living Eleven» noch viele freie Wohnungen! Eine 2,5-Zimmer-Wohnung auf 46,3 Quadratmetern kostet dort 2980 Franken pro Monat.
Sie sagen, das können Sie sich nicht leisten, viel zu teuer? Wieso wollen Sie dann ausgerechnet in Zürich wohnen? Hier ist alles teuer! Die Stadt Zürich wird mehr und mehr ein Ort für Reiche. Ziehen Sie doch nach Winterthur! Die Stadt ist genauso schön (ausser dass der See fehlt). Eine günstige Wohnung findet sich dort einen Tick einfacher. Und mit der S-Bahn sind Sie in zwanzig Minuten in Zürich.
Sie wollen aber nicht nach Winti? Und überhaupt finden Sie es anmassend, dass ich Ihnen das Wohnen in Zürich ausreden will? Sorry, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Klar gibt es in Zürich auch günstige städtische Wohnungen und viele Wohngenossenschaften. Aber dass man da nur schwer reinkommt, wissen Sie ja sicher schon. Weil es eben immer noch viel zu wenige davon gibt.
Was ist also zu tun? Allein können Sie nur auf das Glück hoffen, bei einer Wohnungsbewerbung durch den Zufallsgenerator der städtischen Liegenschaftsverwaltung zu kommen und von den dreissig zur Besichtigung Vorgeladenen dann ausgewählt zu werden. Oder vielleicht schaffen Sie es ja auf die Warteliste einer Wohngenossenschaft (wenn diese überhaupt noch eine führen).
Sie könnten auch erwägen, mit anderen zusammen ein Haus zu besetzen (wie das geht, hatte an dieser Stelle am 27. Oktober 2025 ein gewisser Beat Setzer erklärt). Oder Sie könnten sich aufseiten der Mieter:innen und Wohnungssuchenden politisch engagieren. So wird am 14. Juni im Kanton Zürich über die Wohnschutzinitiative des Mieter:innenverbands sowie die Wohnbauförderungsinitiative der Grünen abgestimmt. Setzen Sie sich für ein Ja zu diesen Initiativen ein. Wunder dürfen Sie bei einer Annahme nicht erwarten, aber immerhin kleine Verbesserungen und ein politisches Signal. Und gehen Sie am 30. Mai an die Wohndemo, die sich «gegen eine Stadt der Reichen» richtet und Wohnraum für alle fordert.
Es braucht auf allen Ebenen gesellschaftlichen Druck, auch von der Strasse, damit sich grundlegende Änderungen im Miet- und Bodenrecht sowie der Eigentumsordnung durchsetzen lassen. Kurzfristig löst das Ihr Wohnungsproblem natürlich nicht. Aber nur auf das Glück zu hoffen, ist immer weniger eine Lösung.
Immer montags beantworten wir in der Rubrik «Frag die WOZ» jeweils eine wirklich (un)wichtige Leser:innenfrage. Noch Fragen? fragdiewoz@woz.ch!