Radiohead: Freie Sicht für alle
Eine Runde für die Fans: Erstmals touren Radiohead ohne neue Songs, der Blick in die Vergangenheit klingt spielfreudig. Doch wars das jetzt?
Die grösste Frage muss offenbleiben: Was machen Radiohead hier eigentlich, mit dieser aktuellen Serie von Konzerten? Über sieben Jahre ist es her, seit die Band letztmals auf einer Bühne stand. Nun tut sie es – mit je vier Konzerten in fünf westeuropäischen Städten –, erstmals ohne neue Musik dabei zu haben. Wollen Radiohead sich warmlaufen, quasi in ihrer Geschichte Anlauf holen, bevor sie einen weiteren Aufbruch wagen? Oder bereitet die Band gar ihren Abgang vor und will davor noch einmal zurückblicken auf ihr Werk, es ihren Fans noch einmal in voller Blüte vorführen?
Ein Dienstagabend vor der Uber Arena, gleich spielen Radiohead hier vor 17 000 Leuten ihr zweites Konzert in Berlin. Daneben liegt ein kleinerer Saal, dessen Name klingt, als habe sich die Techindustrie einen zynischen Scherz auf ihre Kulturfeindlichkeit erlaubt: Uber Eats Music Hall. Umso mehr Freude machen die Leute, die erwartungsvoll in langen Schlangen anstehen: ein durchmischtes, auffallend junges Publikum, viele wohl um die zwanzig. Als vor bald zehn Jahren letztmals ein neues Radiohead-Album erschien, war dieser Moment für sie in weiter Ferne.