«Hamnet»: Ein seltsam befreiender Schmerz
Chloé Zhaos Verfilmung der privaten Familientragödie von William Shakespeare verschachtelt alle grossen Themen der Menschheit: Liebe, Tod, Trauer und ihre Aufhebung in der Kunst.
Versteht man Shakespeares «Hamlet» besser, wenn man weiss, dass der Dichter einen Sohn hatte, der Hamnet hiess? Wohl kaum. Aber einfach zur Seite schieben kann man dieses Wissen auch nicht. Shakespeares Sohn Hamnet starb 1596 im Alter von elf Jahren, womöglich an der Pest, die damals immer wieder tödliche Schneisen durch Europa riss. Viel mehr ist über ihn nicht bekannt. Das öffnet Raum für Spekulationen. Zumal die verschlungenen Verbindungen und Verschiebungen zwischen Literatur und Leben bis heute immer wieder zum Gegenstand von emotional geführten Debatten werden – nicht nur bei Shakespeare.