«The Voice of Hind Rajab»: Die Angst ist echt
Kaouther Ben Hanias filmische Rekonstruktion einer tödlichen Episode aus dem Gazakrieg ist durch ihre gewählten Methoden extrem effektiv und berührend. Das hat aber auch eine problematische Seite.
Am 29. Januar 2024 ging bei der Hilfsorganisation Palästinensischer Roter Halbmond (PRCS) in Ramallah ein Notruf ein. Die fünfzehnjährige Layan Hamadeh, die mit ihrer Familie aus ihrem Wohnquartier in Gaza City geflüchtet war, bat mit panischer Stimme um Hilfe. Ihr Auto sei im Osten der Stadt von einem israelischen Panzer beschossen worden. Fünf der Insass:innen, darunter ihre Mutter, seien bereits tot. Als der PRCS-Mitarbeiter noch überlegt, wie er aus hundert Kilometern Entfernung Hilfe veranlassen könnte und ob ein solcher Einsatz überhaupt möglich wäre, ohne die Rettungskräfte einem unverhältnismässigen Risiko auszusetzen, erklingt durch sein Headset lautes Maschinengewehrfeuer, worauf die Verbindung abbricht. Als er zurückruft, hört er eine andere, noch jüngere, noch verängstigtere Stimme. Sie gehört Hind Rajab, der fünfjährigen Cousine der gerade Getöteten. Sie ist die letzte Überlebende im Auto. Alle anderen seien, wie sie mit zitternder Stimme sagt, «am Schlafen».