Ausstellung: Imperiale Abenteurer oder tragische Naivlinge?
Am Beispiel deutsch-jüdischer Orientforscher:innen stellt das Jüdische Museum Hohenems so manche Stereotype und Vorurteile über «die Morgenländer» produktiv infrage.
Als tauchte man in eine andere Welt, empfangen die Kellergewölbe der Ausstellung in tiefem Königsblau. Goldbraun leuchten Simse und Paneele, unter Vitrinen im Zentrum glitzern edelsteinbesetzte Exponate. Und an den Schmalseiten des Hauptraums: zwei wandfüllende Reproduktionen des opulenten Bühnendekors der «Königin von Saba», einer 1875 uraufgeführten Oper des ungarisch-österreichischen Komponisten Karl Goldmark. Auch einer der beiden Tafelaufsätze im Zentrum präsentiert den Besuch der Königin im Tempel von Salomon als Inbegriff orientalischer Pracht. Es sind die popkulturellen Insignien einer Epoche, in der die Faszination für das Morgenland nicht zuletzt die europäischen Imperialgelüste spiegelt.
Der Orientalismus als ideologischer Zerrspiegel ist aber nur eine der vielen Facetten der schillernden Ausstellung «Die Morgenländer» im Jüdischen Museum Hohenems. Im Fokus stehen die Orientalistik als sich neu etablierender Wissenschaftszweig im Deutschen Kaiserreich und die eminente Rolle, die jüdische Gelehrte dabei spielten. Sprachwissenschaftler und Religionsforscher reisten durch die damals als «Orient» bezeichneten Gebiete Vorderasiens und Nordafrikas, um die Quellen des Islam aus erster Hand zu studieren, tauschten sich mit islamischen Gelehrten aus, nahmen am religiösen Leben teil – getrieben von einer Neugier, die auch eine «Suche nach dem Eigenen im Fremden» war, wie es im Untertitel zur Ausstellung heisst.