Kollapsbewegung: Aber in den Wald müssen wir nicht
Wird die Zivilisation zusammenbrechen? Und wenn das die Perspektive ist, was bedeutet das für die Klimabewegung heute? Viele Linke diskutieren diese Fragen – und kommen zu unterschiedlichen Schlüssen.
Als es mit den Klimastreiks so richtig losging, war Uhu im Gymnasium. Doch streiken war Uhu bald nicht mehr genug. Die Schweiz auch nicht. Uhu beteiligte sich an militanteren Aktionen, besetzte Bäume und den Bundesplatz, reiste in andere Länder. Heute ist die nonbinäre Person Mitte zwanzig und bezeichnet sich als Ökoanarchist:in. Bei Aktionen dieser Szene wählen viele Beteiligte Tier- oder andere Tarnnamen – so kann man sich rufen, ohne persönliche Angaben der Polizei (oder einander) zu verraten. Uhu könnte ein solcher Name sein.
«Ich habe mich sterilisieren lassen», sagt Uhu. «Ich will nicht neues Leben in eine Welt setzen, die im Downfall ist.» Adoptieren wäre okay für Uhu: «Ein Kind, das schon das Pech hat, auf der Welt zu sein.» Uhu sagt das ganz ruhig. Man merkt: Diese Auseinandersetzung ist für die aktivistische Person nicht neu. Schon mit fünfzehn Jahren hat sie sich damit beschäftigt. «Wir werden Krisen erleben, Waldbrände, zu wenig Wasser, zu wenig Essen. Die Grenzen werden geschlossen sein, die Faschos werden Macht haben. Das ist der Weltuntergang der Menschlichkeit.» Es werde eine Zuspitzung geben: «Eine klare Grenze, wer menschenwürdig leben darf und wer nicht. Und eine Mauer dazwischen.»