Netzwerk aus unlösbaren Knoten
Das Wort «Verstrickung» wird wie der dazugehörige Plural gerne auf Kontexte angewendet, über die man vielleicht nicht gerne spricht, deren Bestehen sich aber beim besten Willen nicht leugnen lässt: unratsame Romanzen, kriminelle Machenschaften oder das Verhältnis der Schweiz zum Kolonialismus. Ein Dokumentarfilm wie «Elephants & Squirrels» von Gregor Brändli ist denn auch nicht dazu da, all diese Dinge zu entstricken – aber immerhin kann er, indem er auffallend elegant durch ein Netzwerk aus unlösbaren Knoten navigiert, eine Diskussion darüber anstossen, an welchem Ende man mit der Entwirrungsarbeit beginnen könnte.
Denn die Perspektive ist entscheidend. Da ist etwa der wissenschaftlich-koloniale Blick der beiden baselstämmigen Naturforscher und Völkerkundler Fritz und Paul Sarasin, die von 1883 bis 1886 in Britisch-Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, unterwegs waren. Von der lokalen Fauna (etwa dem Fötus eines Elefanten) über Kulturgüter der indigenen Adivasi-Gemeinschaft bis hin zu deren menschlichen Überresten: Nichts war sicher vor der selbstgerechten Sammelwut der Sarasins, die ihrerseits Cousins zweiten Grades und zeitlebens ein Liebespaar waren. Die Exponate, säuberlich verpackt und nach Hause verschifft, durften der anthropologischen Forschung Europas wertvolle Dienste leisten und später in Archiven wie jenem des Naturhistorischen Museums Basel der kommenden Dinge harren.
Brändli ist sich des Problems mit den Perspektiven bewusst und verbündet sich mit der sri-lankischen Künstlerin Deneth Piumakshi Veda Arachchige. Gemeinsam mit ihr begibt sich der Film also auf umgekehrte Forschungsreise: von den Museen Basels, wo man sich gegenüber dem Anliegen einer Rückführung der Objekte offen zeigt, bis in die Heimat der Künstlerin und ihre eigenen komplexen Problemfelder. Mit engagierter Sorgfalt demonstrieren Filmemacher und Künstlerin, dass, auch wenn der Fall noch so klar sein mag, es zu seiner Lösung noch einiger Arbeit und vieler Gespräche bedarf.
«Elephants & Squirrels». Regie: Gregor Brändli. In: Solothurn, Reithalle, Sa, 24. Januar 2026, 17.30 Uhr, und Landhaus, Mo, 26. Januar 2026, 20 Uhr.