Nr. 51/2006 vom 21.12.2006

Stille RebellInnen

Von Roman Schürmann

Da ist einer mit Leidenschaft am Werk. Einer, der uns Lesende hineinziehen will in eine Welt, die ihn dermassen fasziniert, dass er sie mit grossem Aufwand in diesem schönen Buch abbildet. In neunzehn Porträts zeigt Thom Held (Autor, Verleger, Raumplaner, Weinliebhaber) Menschen aus dieser Welt: Weinproduzentinnen, Architekten, Käsehändler, Kulturvermittlerinnen, Taschenfabrikanten. Thom Held besucht sie und erkennt: Sie alle sind «TerroiristInnen».

Terroir? Im Weinbau ist der Begriff gebräuchlich, er besagt, dass sich in einem Wein die Gesamtheit der Faktoren Boden, Mikroklima, Topografie und Weinkultur eines Ortes widerspiegelt. Held überträgt diese Bedeutung auf Käse, Gebäude, Städte - die ganze Welt. «Das ‹Terroir-Prinzip› zielt auf die Essenz eines Ortes, in dessen Mittelpunkt das Schaffen und die Kreativität der dort lebenden Menschen stehen. Es bedeutet deren stille Rebellion gegen das weitläufig Uniformierte in Wirtschafts-, Gesellschafts- und Politikfragen.» Das «Terroir-Prinzip»-Motto lautet deshalb «Berührt vom Ort die Welt erobern». «Glokalisierung» nennt er das im Anschluss an den Ökonomen Jeremy Rifkin. Warum es nötig ist, in Japan hiesigen Wein zu trinken (und nicht dort sorgfältig hergestellten Sake oder so), kann Thom Held nicht ganz vermitteln. Umso überzeugender berichtet er von starken, zuweilen eigensinnigen Charakteren, die sich ganz auf ihre Umwelt einlassen und aus dieser intensiven Berührung einzigartige Produkte schaffen. Etwa von Marie-Thérèse Chappaz und ihren Weinen («Erhabenstes Wallis!»), von Rolf Beeler und seinen Käsen («Himmlisches Zeug!») oder von Gion Antoni Caminada und seinen Bauten in Vrin.

Auch wer die Nase nicht oft in Weingläser steckt, lässt sich vom zwar sehr subjektiven, dafür angenehm frischen heldschen Enthusiasmus und seinen charmanten Fotos mitreissen und reist mit ihm zu Leuten, die Dinge herstellen, die «eine Seele haben».

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