Nr. 29/2007 vom 19.07.2007

Mit allen ins Bett?

Interview: Esther Banz

WOZ: Sie waren in den letzten beiden Wochen viel unterwegs, im Engadin und in Griechenland. Offenbar reisen Sie gerne ...
Franz Weber: Nein, das war für den Film. Eine Equipe dreht einen 3D-Film über mich und die Orte, die ich gerettet habe. Deshalb waren wir in Surlej am Silvaplanersee und besuchten Delphi.

Erinnert sich in Surlej noch jemand daran, dass Sie die an den See grenzende Wiese vor Spekulanten beschützt haben?
Ja, schon. Aber sie haben auf den Parkbänken den Namen meines Vereins Pro Surlej weggemacht.

Weshalb denn das?
Weil sie nicht wollen, dass man sich an meine Rettungsaktion erinnert.

Immerhin: Die Landschaft ist erhalten geblieben. Geht eigentlich das Bewusstsein für die Natur verloren, wenn man lange Zeit nicht draussen war?
Das auch. Aber der Grund, weshalb die Leute den Bezug zur Natur verlieren, ist eine ganz bewusste Irreführung. Das ist das raffinierte Werk von Spindoctors [PR-ExpertInnen – Anm. d. Red.]. Sie geben den Leuten zu verstehen, sie seien dumm, sie verstünden nichts. Anstatt die Volksweisheit zu akzeptieren – etwas so Wunderbares! –, wird sie belächelt. Es ist bedenklich, dass auch der Bundesrat Spindoctors engagieren muss.

Apropos PolitikerInnen: Sie unterstützen ein Referendum der Schweizer Demokraten. Gehen Sie sozusagen mit allen ins Bett?
Die haben angeboten, unsere Initiative Rettet den Schweizer Boden zu unterstützen. Wir haben nichts dagegen, wenn Parteien sich anschliessen. Dann haben sie meine Frau gefragt, ob wir auch ein Referendum gegen die Lex Koller unterstützen würden, und sie antwortete: ja, natürlich!

Keine Allianz ist Ihnen unheilig?
Diese Frage stelle ich mir gar nicht.

Also keine Berührungsängste?
Überhaupt nicht. Mir kann man nicht vorwerfen, ich hätte etwas für Sonderinteressen getan. Es war immer ein Gesamtinteresse.

Und wenn jemand dasselbe aus 
anderen Motiven unterstützt?
Das ist mir egal, solange es um dasselbe Endergebnis geht. Bei der Lex Koller geht es nicht gegen Ausländer, sondern um den Schutz unseres Landes. Überhaupt: Die Ausländer würden ja alle von den Spekulanten betrogen, weil sie ihr Geld in zerstörte Landschaft investierten. Das läuft zum grossen Teil über die Börse, ganze Täler werden zubetoniert über die Börse!

Manchmal klingen Sie ein bisschen esoterisch.
Das ist mir auch schon vorgeworfen worden. Aber ich denke überhaupt nicht esoterisch. Ich spüre das Leben, all die Kleintiere in einer Landschaft, die Ameisen, die Eidechsen usw. Sie 
haben auch ein Recht auf Leben, sie sind Geschöpfe.

Die Fondation Franz Weber hat ihr eigenes Magazin, das «Journal Franz Weber». In der aktuellen Ausgabe schreiben gleich zwei zwiespältige Personen: zum einen Ursula Spielmann, die ...
Ursula Spielmann arbeitete zuvor beim Magazin «Magma» aus dem Tages-
Anzeiger-Verlag. Dann wurde sie die 
erste Chefredaktorin des Journals meiner Fondation. Sie hat den Text «Sechs Gründe, Franz Weber unter Schutz zu stellen» vor zwanzig Jahren in der allerersten Ausgabe geschrieben. Nun wurde er zu meinem 80. Geburtstag nochmals abgedruckt.

Spielmann trat der Universalen Kirche bei, die später wegen ihrem aggressiven Antisemitismus in die Schlagzeilen geriet. Sie selber wurde wegen Volksverhetzung verurteilt.
Tatsächlich? Das wusste ich nicht. Die Idee mit dem Textnachdruck stammte vom Redaktionsteam, das mir eine Freude machen wollte.

Auch Judith Barben durfte in dieser Jubiläumsnummer schreiben. Die Psychologin ist eine bekannte 
Aktivistin des VPM-Netzwerks, des offiziell aufgelösten Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis.
Davon habe ich keine Ahnung.

Betreffend unheiliger Allianzen haben Sie gesagt, es gehe immer 
um ein Gesamtinteresse. Welches 
Interesse teilen Sie mit Christoph Blocher?
Keines! Blocher macht ja das Gegenteil von dem, was wir wollen! Das ist verrückt, die denken immer rein wirtschaftlich, nicht ans Ganze, an die Natur.

Trotzdem haben Sie 2003 an einer SVP-Veranstaltung in Montreux teilgenommen. Weshalb?
Ich war eingeladen. Ich rede überall, bei allen Parteien, da mache ich keine Unterschiede. Denen von der SVP hab ich gesagt: Meine Herren, ich habe schon für die Sozialisten gesprochen, jetzt spreche ich für euch! Mir gehts um eine Sache!

Und was haben Sie den Herren dann erzählt?
So genau weiss ich das nicht mehr. Im Grund ging es darum: dass der Schutz der Natur ebenso wichtig ist wie die Wirtschaft.

Welches wäre das grösste Geschenk zu Ihrem 80. Geburtstag?
Ein dringender Bundesbeschluss, der weitere Spekulationen mit dem Schweizer Boden verbietet. Und dass die Hügelstadt gebaut wird.

Die Hügelstadt?
Das ist ein Modell für die Städte von morgen. Meine Frau Judith hat es nach einer Idee von mir entworfen.

Wie sieht es aus?
Die Stadt ist um einen Hügel gebaut, der selber eine Konstruktion ist. 
Mit dem Auto oder der Bahn fährt 
man in den Hügel hinein, von wo man per Lift in die Wohnung und ins Haus hinauf gelangt. Die Kinder könnten wieder auf den Strassen spielen, nur die Feuerwehr, Polizei- und Krankenwagen dürften dort oben fahren. Man könnte extrem viel Platz sparen und die Landschaft rundherum wäre unter Schutz gestellt.

Wie war das Echo darauf?
Es erregte Aufsehen, aber das Deutschschweizer Fernsehen hat nichts gebracht, das ZDF hingegen schon. Jetzt haben wir gehört, dass es an einer Universität in Japan offenbar ein entsprechendes Projekt gibt.

Franz Weber, der Inspirator?
Auf eine Weise schon. Sogar in Frankreich haben sie mir gesagt: Leider gibt es keinen Franz Weber bei uns. Ein Journalist von «Le Monde» hat meine Biografie gelesen, auf Französisch, und sagte dann: Das gibt mir Mut. Es ist nicht alles verloren.

Franz Weber feiert am 27. Juli [2007] seinen 
80. Geburtstag. Er ist kein bisschen 
müde und hat vor, bis zum letzten Tag 
für die Natur zu kämpfen, weil er sich sonst als Deserteur vorkäme. Um die 
Fondation wird sich später einmal 
seine Tochter Vera Weber kümmern.

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