Nr. 25/2011 vom 23.06.2011

AKW-Camps räumen rächt sich, Gummibär!

Von Dinu Gautier

Sie, Alexander Tschäppät, sind Stadtpräsident von Bern und Sozialdemokrat. Einer, der allen gefallen will. Einer, der die Zeitungen sehr genau liest – und auch gerne darin vorkommt. Ausser es wird Kritik von bürgerlicher Seite laut. Wenn die Lokalmedien (vor allem die Zeitung, die alles, was ausserhalb des Kantons geschieht, auf den letzten Seiten versteckt) nur lange genug die gleiche Sau durch die Bundesstadt jagen, dann handeln Sie.

Jüngst war dies in der Nacht auf Dienstag dieser Woche der Fall. Um 3.30 Uhr hat die Polizei auf Ihr Geheiss hin das Anti-AKW-Camp vor dem Hauptsitz der Mühlebergbetreiberin BKW heimgesucht, 26 Leute geweckt, gefesselt und kontrolliert. Und zwar in sozialdemokratischer Art und Weise: keine übermässige Gewalt und sofortiges Wiederansäen von Rasen. Sie, Herr Tschäppät, beteuern, Sie seien im Fall auch für die Abschaltung von Mühleberg, aber wenn die Spielregeln nicht eingehalten würden, dann ...

Nun gut, Sie haben es getan. Jetzt kommt die Kritik halt von links. Aber allen könne man es ja nie recht machen, sagen Sie. Genau, Herr Tschäppät: Allen kann man es nie recht machen! Also muss man sich entscheiden, wem man es recht machen will. Klären, wo man steht. Auf der Seite jener, die das Bewohnen eines Zeltlagers für einen unzumutbaren Affront gegenüber Recht und Ordnung halten («Und wenn ich einmal falsch parkiere ...», «Wer bezahlt das eigentlich alles?») oder auf der Seite jener, die sich mit grossem Einsatz seit Wochen aktivistisch wie inhaltlich mit dem Phänomen der Atomwirtschaft auseinandersetzen, die erreicht haben, was Leute in Ämtern wie dem Ihrigen nie schaffen: dass sich Jugendliche politisieren.

Nun ziehen Fünfzehn-, Sechzehn-, Siebzehnjährige halt durch Berns Gassen und rufen: «Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!» Und glauben Sie ja nicht, die hätten das morgen wieder vergessen. Solche Erlebnisse prägen, ich spreche aus eigener Erfahrung.

Am Morgen nach der Räumung, übrigens, strahlten Sie in der Pendlerzeitung übers ganze Gesicht. Sie präsentierten Ihr Gimmick für den Nationalratswahlkampf: Gummibärli. Der Stapi als überdimensionaler Gummibär; klebrig und allzeit bereit, sich auf alle Seiten zu dehnen?

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