Nr. 01/2012 vom 05.01.2012

Hildebrands Zürichberg-Kunst

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

Der unterschiedliche Geschmack zeigt sich schon in der Kunst. Kashya Hildebrands Galerie setzt nicht auf Heimatbilder von Albert Anker, wie sie Milliardär Christoph Blocher sammelt, sondern auf asiatische GegenwartskünstlerInnen, die «hergebrachte Bilder von Nationalität und kultureller Identität verändern».

Kashya Hildebrand, die Frau des Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand, ist in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, weil sie am 15. August 2011 rund eine halbe Million US-Dollar gekauft hat. Dank eines Kurssprungs drei Wochen später hat sie einen Gewinn von zehn Prozent erzielt. Zum Wertanstieg führte die Ankündigung der Nationalbank, eine fixe Untergrenze des Wechselkurses zwischen Franken und Euro anzustreben. Die erste Frage, die sich stellt: War es Insiderhandel?

Ausgelöst hat sie Christoph Blocher: Er ist an die Unterlagen eines Bankkontos des Ehepaars Hildebrand gekommen und hat am 15. Dezember die damalige Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey informiert. Eine doppelte Untersuchung sowohl des Bundes wie der Wirtschaftsprüferin Pricewaterhouse Coopers ergab, dass kein Verstoss gegen die Regeln vorliegt. Weil die Regeln nicht öffentlich sind, lässt sich das Ergebnis vorerst nicht überprüfen. Der Vorwurf des Insiderhandels scheint allerdings etwas gesucht: Dass sich der Dollar im Sommer auf einem Allzeittief befand, war für jeden sichtbar und auszunutzen, vorausgesetzt, man besitzt beispielsweise eine halbe Million Dollar. Darauf beruft sich Kashya Hildebrand in einer Stellungnahme: Als ehemalige Devisenhändlerin sei ihr der Dollar im Sommer «fast lächerlich billig» erschienen.

Die erste Einsicht zum Stand des Kapitalismus: Auch die Frau des obersten Notenbankers beteiligt sich an der Spekulation, die dieser verhindern soll.

Im Kunstgeschäft von Kashya Hildebrand sind Beträge in der Höhe von Hunderttausenden Dollar übrigens keine Seltenheit. Wie InsiderInnen der Zürcher Kunstszene berichten, verkauft ihre Galerie «Zürichberg-Schischi»: kostspielige, raumfüllende Skulpturen zur Dekoration für die Villen und Lofts von Reichen. In dieser Hinsicht trifft sich das Kunstinteresse von Hildebrand durchaus mit dem von Blocher.

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