Nr. 01/2012 vom 05.01.2012

Der finstere Blocher

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

Da war sie wieder, diese merkwürdige Form des Sprechens: Blocher auf allen Kanälen, und trotzdem sagt er nichts. Angesprochen auf seine Rolle im Fall Hildebrand, flüchtete er sich am Montag in die Bibel: «Es gibt eine Zeit zum Reden und eine Zeit zum Schweigen.» Dabei ist bemerkenswert: Ausgerechnet der Mann, der die Bevölkerung mehr als ein Jahr lang über den Besitz der «Basler Zeitung» belog, weil die Beteiligung über seine Tochter lief, schwärzt nun den Nationalbankpräsidenten wegen eines Geschäfts von dessen Ehefrau an. Das Geraune, die heilige Mission, ein Denken in Familienbanden – mit seinen reaktionären Kategorien stiftet Blocher bewusst Verwirrung. Trotzdem stellt sich als zweite Frage: Handelte er diesmal als Aufklärer?

Es war kein guter Herbst für die SVP: dreissig Prozent WählerInnenanteil klar verfehlt, der Sturm aufs Stöckli ohne Erfolg, bei der Bundesratswahl über den kriminellen Kandidaten gestolpert. Der Ton gegen Blocher in den Medien wurde, bei einigen opportunistisch, etwas kritischer. Lesenswert war eine Zusammenstellung der wirtschaftlichen Tätigkeiten im «Tages-Anzeiger»: Sie zeigt, wie Blocher mit einem falschen Trick die Ems-Chemie kaufte und mit seinem Börsenfreund Martin Ebner später Industriebetriebe filetierte. Blochers Werk in der Wirtschaft wie in der Politik ist das der Zerstörung – der Betriebe, der Institutionen, der Solidarität.

Auch dass Blocher die damalige Bundespräsidentin Calmy-Rey über Kashya Hildebrands Devisengeschäft informierte, geschah aus Eigennutz. Dieser Eindruck entsteht, wenn man die Mitteilung der Bank Sarasin liest, bei der die Kontodaten entwendet wurden: Die Privatbank beschreibt detailliert, wie ein IT-Supporter die Daten einem «der SVP nahestehenden Anwalt» offenlegte. Dieser arrangierte bereits im November ein Treffen mit Christoph Blocher. Die Aufklärung folgte der Parteilogik und -hierarchie. Dadurch kann sie in die Verleumdung kippen.

Die zweite Einsicht zum Stand des Kapitalismus: Das Schweizer Bankgeheimnis ist definitiv am Ende; diejenigen, die es lange zu verteidigen wussten, durchlöchern es nun. Bis zum Redaktionsschluss hielt die Zeit des Schweigens von Blocher an. Sein Sprachrohr, die «Weltwoche», wenig überraschend im Besitz der Kontoauszüge, verschickte eine Vorabmeldung: Hildebrand habe die Käufe selbst getätigt und selbst spekuliert.

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