Nr. 03/2012 vom 19.01.2012

Am Rockzipfel der Rocker

Christine Repond hat die Münchner Band Shoot Dolores beobachtet.

Von Silvia SüessMail an AutorIn

Musik machen, Spass haben und vielleicht sogar bekannt werden. Das ist so in etwa das Ziel der vier Männer der Münchner Band Shoot Dolores. Sie treffen sich regelmässig, proben, diskutieren, disputieren, treten auf und wollen bald einmal eine CD aufnehmen.

Doch nicht alles im Leben läuft nach Plan – das bekamen sowohl die Bandmitglieder zu spüren wie auch die Filmemacherin Christine Repond, die diese mit der Kamera begleitete. Repond hat ihren Dokumentarfilm «Nicht das Leben» vor ihrem starken Spielfilm «Silberwald» realisiert, der letztes Jahr in Solothurn zu sehen war. Der Film entstand ohne jegliche finanzielle Unterstützung, und Repond schrieb in einem Mail dazu: «Das Projekt entstand einfach, weil wir darauf Lust hatten und die Hardrocker von der Münchner Band Shoot Dolores so interessant fanden, dass wir ihnen zwei bis drei Jahre am Rockzipfel hingen und ihnen beim Leben über die Schultern schauten und dabei dokumentierten, was das Leben so mit diesen Menschen anstellt. Und das war allerhand.»

Denn anstatt eine CD aufzunehmen und bekannt zu werden, werden die Männer mit Krankheit, neuem Leben und Unstimmigkeiten konfrontiert. Bei ihrer Langzeitdokumentation ist Repond extrem nah an den Bandmitgliedern. Sie ist immer wieder im Bandraum dabei, wo die neuen Songs geübt, Pläne diskutiert und Neuigkeiten ausgetauscht werden. Sie begleitet die Männer auch bei ihrer regulären Arbeit und zeigt sie bei ihnen zu Hause, wo sie über ihr Leben erzählen.

Da ist der Sänger Flo, der im Hauptjob beim Radio arbeitet, klassische Gesangsstunden nimmt, organisiert und ehrgeizig ist. Da ist Burkhard, der Musik macht, weil er sonst nicht leben könnte. Die Gitarre ist sein Ventil. Auftritte sind für ihn ein netter Nebeneffekt, jedoch nicht zwingend. Sein Geld verdient er als Drucker. Und da ist Ben, der Schlagzeuger, der bis vor kurzem mit Alkoholproblemen kämpfte und sein Leben als Plakatierer finanziert.

«Nicht das Leben» ist eine unspektakuläre und berührende Langzeitdokumentation über die Launen des Lebens.

Landhaus, Sa, 21. Januar, 12 Uhr, und Kino Palace, Do, 26. Januar, 14.30 Uhr.

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