Nr. 16/2012 vom 19.04.2012

«Mein Onkel hat mich viel zu früh aus dem Haus geschmissen»

3-D-Filme sind für den Filmemacher Samir die logische Konsequenz seines bisherigen Schaffens. Warum ein autobiografischer Film nicht im Desaster enden muss, was Heimat und Identität für ihn bedeuten und warum er sich kulturpolitisch engagiert, erklärt er in einem grossen Interview anlässlich des Dokumentarfilmfestivals in Nyon.

Von Silvia SüessMail an Autor:in und Marcy Goldberg

Samir im Dschoint-Ventschr-Büro in Zürich: «Die Linke hat immer noch nicht verstanden, dass Kultur auch politisch ist. Sie gibt sich zwar kulturaffin und denkt, dass das als politische Haltung genügt.»

WOZ: Samir, Sie geben am Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon einen Workshop, und das Festival zeigt eine kleine Retrospektive mit Ihren Filmen. Definieren Sie sich als Dokumentarfilmer?
Samir: Ich bezeichne mich weder als Dokumentarfilmer noch als Spielfilmautor, da ich beides mache. Es gibt Geschichten, die kann man auf die eine Art und solche, die kann man auf die andere Art erzählen. Alles, was ich zum Beispiel in meinem Dokumentarfilm «Iraqi Odyssee», an dem ich gerade arbeite, nicht erzählen kann, werde ich in einem Spielfilm unterbringen. Es gibt dafür schon ein Drehbuch. Das Problem ist, dass die Realität viel verrückter ist als jeder Spielfilm. Doch aus verschiedenen Gründen kann man das nicht immer in einem Dokumentarfilm erzählen. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Genres ist der, dass man beim Dokfilm behauptet, was gesagt und gezeigt werde, sei wahr und tatsächlich geschehen. Das Publikum nimmt so die verrücktesten Konstellationen und Zufälle als gegeben hin, die es in einem Spielfilm nie akzeptieren würde.

In «Iraqi Odyssee» geht es um Ihre irakische Verwandtschaft, die über die ganze Welt verstreut lebt. Schon bei Ihren Dokumentarfilmen «Babylon 2» von 1993 und «Forget Baghdad» von 2002 gab es einen explizit persönlichen Bezug zum Thema.
Ja, wobei es in «Babylon 2» vor allem um Identität geht. Damals gab es noch kein Internet, trotzdem habe ich festgestellt, dass die Welt aufgrund der neuen Medien anders wahrgenommen wird: Du sitzt zwar in einem fremden Land, doch über Satellit bekommst du alles mit, was in deinem Land passiert, egal, woher du bist. Das ist kein Exil mehr im klassischen Sinn. «Babylon 2» thematisiert, wie die Secondos und die aus der dritten Generation damit umgehen.

In «Forget Baghdad» geht es um Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Modernität. Am Beispiel von vier in Israel lebenden irakisch-jüdischen kommunistischen Schriftstellern bietet der Film Einblicke in das Leben in der Diaspora. Ich erzähle auch von meinem Vater und mir. Während der Arbeit zu «Forget Baghdad» wurde mir bewusst, dass ich einen Film über meine Familie machen muss.

Wie haben Ihre Verwandten auf Ihr Filmprojekt «Iraqi Odyssee» reagiert?
Ich stiess zum Teil auf Widerstände – was ich auch erwartet hatte. Eine Cousine hatte zuerst zugesagt, sich dann aber unter Androhung rechtlicher Schritte gegen mich gewendet, weil ich ein Foto von ihrer Mutter verwendet hatte. Dabei habe ich das Foto von ihrem Vater bekommen, der mein Filmprojekt unterstützt.

Mein Onkel in Paris hat mich während der Dreharbeiten sogar rausgeschmissen. Lustigerweise habe ich den Streit mit meinem Onkel vorweggenommen. Heutzutage verlangen ja die Geldgeber, dass man für einen geplanten Dokfilm eine Drehvorlage schreibt – eine völlig abstruse Idee. Ich habe nach meinen Recherchen ein Fantasiedrehbuch vorgelegt und beschrieben, was alles geschehen könnte, darunter auch der Streit. Leider schmiss mich mein Onkel nicht wie im Drehbuch vorgesehen aus seinem Haus, sondern viel früher. Wenn ich es nicht schaffe, das wieder zu kitten, dann fehlt dem Film eine Sequenz.

Sie lachen, aber ist es nicht auch beängstigend, einen als autobiografisch deklarierten Film zu drehen?
Doch, ich habe das Projekt sicher auch so lange vor mir hergeschoben, weil ich wusste, dass es in einem Desaster enden kann. Nicht muss, aber kann.

Ein persönliches Desaster, ein filmisches oder beides?
Was das Filmische anbelangt, habe ich genug Vertrauen in meine Fähigkeiten. Ob der Film dann beim Publikum ankommt oder nicht, kann man sowieso nicht sagen. Vielleicht bin ich heute einfach eher bereit, mit mehr Gelassenheit in ein persönliches Desaster zu laufen. Im Übrigen bin ich der Überzeugung, dass der Regisseur eines Kinodokumentarfilms zwingend einen persönlichen Zugang zum Thema haben muss. Das ist der Unterschied zum Fernsehdokumentarfilm. Ich halte nichts von der zurückhaltenden Beobachtung, das gibt es gar nicht. Der Beobachter hat immer Einfluss auf das Beobachtete – das sagt sogar die Quantenphysik. Und wenn das bei Atomen so ist, warum soll das in unserer Realität anders sein? Es ist abstrus zu behaupten, dass die Filmenden keinen Einfluss auf das Gefilmte haben.

Da würden Ihnen doch die meisten Dokumentarfilmschaffenden zustimmen.
Ja, heute schon, aber mit dieser Haltung habe ich damals mit «Babylon 2» in ein Wespennest gestochen. An den Festivals wurde ich quasi der Meute zum Frass vorgeworfen. Man warf mir Manipulation vor, behauptete, ich sei gar kein Dokumentarfilmer, weil ich mich nicht wahrhaftig mit dem Thema und dem Objekt auseinandersetze und meine subjektive Sicht über das Thema stelle. Es war allerdings relativ simpel, darauf zu entgegnen.

Sie werden bestimmte Szenen in «Iraqi Odyssee» in 3-D filmen – ist da Kritik nicht auch programmiert?
Doch, als ich meinen Kollegen diesen Entschluss mitteilte, sagten sie: «Spinnst du!» Mittlerweile finden sie es logisch und gut.

Noch gibt es kaum 3-D-Dokumentarfilme, in der Schweiz wäre Ihrer der erste. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich für 3-D entschieden haben?
Eigentlich wollte ich mit meinen altbewährten Aufnahmetechniken arbeiten. Doch dann las ich von dieser neuen, kleinen 3-D-Kamera. Und es ist so: Die Technik, die ich eigentlich überlisten will, bringt mich oft auf neue Ideen. Als mir klar wurde, dass ich ganz alleine meine Tante in Neuseeland in 3-D aufnehmen kann, hat der Blitz bei mir eingeschlagen. Nun muss ich etliche Protagonisten nochmals besuchen, da ich die meisten Interviews nur zweidimensional gefilmt habe. Dann müssen sie mir alles nochmals erzählen: Dadurch wird ihre Geschichte zu einer Inszenierung!

Und was tun Sie, wenn Ihre Verwandten nicht mehr dasselbe erzählen?
Gut erzählte Episoden aus einem Menschenleben werden meistens auch gut wiedererzählt. Wenn nicht, dann stimmt etwas nicht daran. Kommt hinzu, dass dies eine gute Gelegenheit ist, um sicherzugehen, dass sie damit einverstanden sind, dass ich diese Ausschnitte aus ihrem Leben im Film betone.

Sind diese Ausschnitte in 3-D nicht einfach eine technische Spielerei, die Sie gereizt hat?
Nein, diese Aufnahmetechnik ist die logische Konsequenz meines Schaffens. Mich hat schon immer der Raum als solcher interessiert. Neben meiner Arbeit als Filmemacher habe ich auch Videoinstallationen gemacht. Bei meinen Filmen geht es immer wieder darum, Bilder in Bezug zu einem Raum zu stellen. Schon in meinen frühen Werken «Morlove» und «Babylon 2» arbeitete ich mit mehreren Bildschichten, die ich über- und nebeneinander stellte. Das war damals in der Postproduktion eine sehr aufwendige Arbeit.

3-D bietet Ihnen also neue formale Möglichkeiten für Ihr Schichtenprinzip – aber was bietet Ihnen das auf der Ebene des Inhalts?
Für mich ist die Trennung von Inhalt und formalem Aspekt unvorstellbar. Ich lasse mich in der formalen Umsetzung immer auf die Geschichte ein. Die Realität ist immer mehrschichtig, deswegen kommt in meinen Dokumentarfilmen meine Vorliebe für eine komplexe visuelle Umsetzung voll zum Zug. Und genau hier kommt mir 3-D zugute: Ich habe an meinen Dokumentarfilmen stets bemängelt, dass die Leute, die ich interviewe, oft wie aufgeklebte Briefmarken wirken. Wenn nun aber die Protagonisten wie Sie und ich dreidimensional im Raum sitzen, und hinter ihnen illustrieren andere Bilder ihre Erzählungen, dann wirkt das ganz anders. Auch im Einbezug von Schriften ergeben sich neue Möglichkeiten: So kann ich zum Beispiel die Schrift räumlich vor eine Person stellen und weniger wichtige Dinge in den Hintergrund rücken.


Und was kostet Sie als Produzent Ihre Vorliebe für komplexe visuelle Umsetzungen? Macht sie den Film teurer?
Das wissen wir noch nicht genau. Ich glaube allerdings nicht, dass die Produktion viel teurer wird. Als Produzent habe ich die Kosten stets im Hinterkopf. Allerdings sagte ich vor dreissig Jahren, dass ich eines bestimmt nie werde – Produzent.

Warum sind Sie es trotzdem geworden?
Die Filmbranche hat sich in den letzten dreissig Jahren stark verändert. Als ich aus dem Kollektiv des Videoladens in Zürich austrat, war die Handvoll an Produzenten, die es zu jener Zeit gab, weniger qualifiziert als heute. Ich hatte damals schon drei Filme gemacht, und mir fehlte ein Gegenüber. Im Jahr 1994 übernahmen wir Dschoint Ventschr. Mit dabei waren Werner «Swiss» Schweizer und Karin Koch. Es war von Anfang an klar, dass wir nicht nur unsere eigenen Filme machen würden, sondern auch andere Projekte produzieren wollten. So bin ich Produzent geworden. Ich habe dabei viel gelernt, auch für meine Aufgabe als Regisseur. Filmemachen lernst du nur durchs Filmemachen. Das ist wie bei einem Piloten. Wenn er nur am Simulator fliegt, lernt er es nie.

Als Produzent haben Sie mehrmals fast eine Bruchlandung gemacht, bei Dschoint Ventschr sah es finanziell wiederholt prekär aus. Woran lag das?
Wir haben leider immer unterfinanzierte Filme gemacht. Oft mussten wir den Technikern sagen: Sorry, die Summe stimmt nicht mit dem gewerkschaftlichen Richtlohn überein, aber entweder wir machen den Film so oder dann eben nicht. Als es uns 2007 finanziell sehr schlecht ging, baten wir das Bundesamt für Kultur um eine Nachfinanzierung einer Filmproduktion. Filmchef Nicolas Bideau verweigerte uns diese – im Gegensatz zu andern Produzenten, die eine Nachfinanzierung erhielten. Er warf uns vor, schlechte Geschäftsleute zu sein. Ich habe ihm gesagt: «Vielleicht. Aber wenn wir nicht so schlecht geschäftet hätten, hätte es die Filme nicht gegeben, mit denen du an den Festivals dank uns geglänzt hast.»

In den letzten Jahren haben Sie sich mit viel Energie in die Filmpolitik eingebracht.
Ich bin überzeugt, dass mein Engagement richtig war, auch wenn es mich reut, dass ich so viel Lebenszeit für Filmpolitik hergeben musste statt für meine kreative Weiterentwicklung. Aber ich bin Citoyen, Bürger dieses Landes, und will mich auch gesellschaftspolitisch einbringen. Wenn ich nicht aufgestanden wäre und mich mit meinen Kollegen gegen den staatlichen Dirigismus gewehrt hätte, wäre die Situation der Filmschaffenden noch immer ein Desaster. Nun konnten sich alle davon überzeugen, dass die meisten «kommerziellen» Mainstreamfilme, die sogenannten «Lokomotiven», die Bideau gefördert hat, in den Kinos gefloppt sind.

Apropos Citoyen: Sie haben sich ja auch ausserhalb der Filmpolitik immer wieder politisch engagiert.
Ja, zuletzt habe ich mich für ein zweifaches Nein bei der Abstimmung über die Verschärfung des Bürgerrechts im Kanton Zürich eingesetzt. So sind wir in einem Kampagnenbus zwischen Zürich, Dietikon und Winterthur herumgetourt, mit einer fiktiven Schweizer Nationalmannschaft an Bord. Für die Alternative Liste in Zürich habe ich auch kandidiert. Wobei ich auch da Probleme habe, weil ich finde, dass die Linke allgemein kulturfeindlich ist. Die Linke hat immer noch nicht verstanden, dass Kultur auch politisch ist. Sie gibt sich zwar kulturaffin und denkt, dass das als politische Haltung genügt.

Das tönt, als setzten Sie keine grosse Hoffnung in SP-Bundesrat Alain Berset, der nun das Sagen in der Filmpolitik hat.
Ob Berset kulturfreundlich ist oder nicht, hängt von uns ab. In dieser ganzen filmpolitischen Debatte hat mich erstaunt, wie wenige von meinen Kollegen sich als Staatsbürger empfinden. Kolleginnen und Kollegen drehen Filme über Zivilcourage und machen sich fast in die Hose, wenn sie einem Bürokraten im Staatsbetrieb die Meinung sagen müssen.

Warum haben Sie keine Mühe damit, auf Konfrontation zu gehen?
Das hat sicher mit meinem Hintergrund zu tun. Ich habe nicht studiert, ich musste mich als Migrant in einer Arbeitervorstadt durchkämpfen. Und ich hatte das Glück, meine Jugend in den siebziger Jahren zu verbringen, die voller Rebellion und Agitation waren. «Rebellion ist berechtigt» – jeden Tag schaute ich als Teenager diesen Satz an. Ich bin dann auch aus der Sekundarschule geflogen, wegen eines Sit-ins.

Was haben Sie nachher gemacht?
Eine Lehre als Typograf – das sieht man auch meinen Filmen an, die Schrift ist immer sehr wichtig. Dann ging ich in den Gewerkschaftsbund und lernte zu argumentieren. Ich besuchte marxistische Schulungskurse, las Marx’ «Thesen über Feuerbach» und «Lohnarbeit und Kapital», Friedrich Engels’ «Die Lage der arbeitenden Klasse in England» und vieles mehr.

Als Typograf habe ich noch mit Setzkästen arbeiten gelernt. Einmal zeigten sie uns an einer Druckausstellung eine grosse Maschine und sagten, das sei ein «Composer», der in einer Stunde eine Million Zeichen setzen könne. Und wir alle: «Wow». Niemand kam auf die Idee, uns zu sagen, dass diese Maschine uns alle überflüssig machen würde. Am Ende meiner Lehre musste ich meine Setzkästen verbrennen.

Wie kamen Sie dann zum Film?
Da wollte ich schon immer hin. Nach meiner Lehre arbeitete ich auf dem Bau und in Restaurants. Und ich verdiente monatlich jeweils tausend Franken weniger als meine Schweizer Kollegen – nur weil ich keinen Schweizer Pass hatte. Der war tausend Stutz wert. Und weil ich zu links war, hat man mich nicht eingebürgert, obwohl meine Mutter eine Schweizerin war. Den Schweizer Pass erhielt ich erst mit 25.

Ins Filmgeschäft stieg ich bei Condor-Film als Best Boy ein, heute nennt man das Praktikant. Dort machten sie mich zum Kameraassistenten. Wir arbeiteten achtzig Stunden in der Woche und drehten in dieser Zeit mindestens zwei Werbefilme, manchmal noch einen Industriefilm. Das war für mich die beste Schule.

Hat es Sie nicht gestört, als junger, politisch engagierter Mann Werbefilme zu drehen?
Doch, natürlich war das ein Widerspruch: In den linken Zirkel zu gehen und über Feminismus zu diskutieren, um am nächsten Morgen das schön gepützelte halbnackte Model mit dem Messband auszumessen. Doch ich sah Orte, zu denen ich sonst nie Zugang gehabt hätte. Ich erlebte auch die vielen technischen Veränderungen. Als Typograf trennte ich mich vom Bleisatz, und als Kameramann erlebte ich den Wechsel von Zelluloid zum elektronischen Bild. Uns wurden die Scheissvideobilder gezeigt und gesagt, das sei die neue Aufnahmetechnik. Ich dachte: «Das soll die Zukunft des Films sein? Fuck!» Aber was ich hasse, muss ich kennenlernen. Deswegen habe ich mir dann eine Videokamera gekauft.

Sie sind im Alter von fast fünfzig Jahren Vater geworden. Schaffen Sie es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen?
Die Familie hat sicher auch dazu geführt, dass ich langsamere Outputs habe. Wenn man den Haushalt und die Kinderbetreuung mit der Frau teilt, dann ist das eindeutig ein Bremsklotz für das kreative Schaffen – obwohl ich in einer sehr privilegierten Situation bin.

Ihre Frau Stina Werenfels ist ebenfalls Filmemacherin. Wie wirkt sich dies auf Ihr Familienleben aus?
Sie hat einen Heimvorteil, weil der Produzent am Tisch sitzt. Spass beiseite, der Vorteil für mich ist natürlich auch, dass ich über meine formalen Interessen und inhaltlichen Probleme reden kann. Oft sagen wir aber: «Treffen wir uns im Geschäft und machen dort eine Sitzung» – sonst wird man gaga. Auch unsere Tochter interessiert sich bereits für die Machart und fragt bei jedem Film: «Wie haben die das gemacht?»

Ihre Filme handeln immer vom Dasein in verschiedenen Lebenswelten und von der Suche nach Identität und Heimat. Was genau ist für Sie Heimat?
Als ich vor zwei Jahren in den Irak gereist bin, war es schwierig für mich, die Veränderungen zum Irak meiner Kindheit anzunehmen. Der Irak ist nicht mehr, was er damals war. Ich vermute, vielen Achtzi gjährigen hier geht es auch so: Ihnen ist die Schweiz abhanden gekommen, in der sie sich früher wohlgefühlt haben. Zurückweisung bedeutet Kränkung, und Kränkung erzeugt Hass. Ich kann das an mir selbst verfolgen: Je mehr ich in der Schweiz als sogenannter Ausländer zurückgewiesen wurde, umso mehr begann ich das Land zu hassen. Doch je mehr ich mich selbst einbringen, Einfluss nehmen und teilhaben konnte, umso mehr wurde die Schweiz auch meine Heimat. Für mich ist Heimat das, was ich mir selbst erschaffe.

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