Nr. 38/2012 vom 20.09.2012

Die Revolution macht nicht vor der Schule halt

Von Daniel Stern und Franziska Meister

Nie war es einfacher, sich Wissen anzueignen – so scheint es auf den ersten Blick. Von einem Computer oder einem Handy aus lässt sich flugs das gesammelte Weltwissen im Internet anzapfen. So steht in praktisch jedem Haushalt der Schweiz ein Computer, 95 Prozent verfügen über einen Internetanschluss. Und bereits in der sechsten Klasse besitzen fast alle Kinder ein Handy. Schon Dreikäsehochs googeln Wörter oder lassen sich über YouTube erklären, wie etwas funktioniert.

Die digitale Revolution hat einen fundamentalen Wandel eingeleitet, der auch vor den Bildungsinstitutionen nicht haltmacht. Noch überwiegen Handyverbote, doch scheinen sie oft weniger der Ordnung im Klassenzimmer geschuldet als der Machterhaltung – eine pädagogische Bankrotterklärung, finden viele MedienpädagogInnen. Zugleich wird bemängelt, dass kaum eine pädagogische Hochschule den angehenden LehrerInnen das technische und didaktische Rüstzeug vermittelt, um Smartphone oder iPad sinnvoll in den Unterricht zu integrieren.

Tatsächlich?

Mittlerweile sind durchaus PionierInnen am Werk, die Smartboards, iPads und iPhones ins Klassenzimmer holen und sie als Werkzeuge zum Lernen im Unterricht ausprobieren. Pädagogische Hochschulen unterstützen sie dabei. Die Projekte verweisen auch auf Ambivalenzen, die mit dem Einsatz digitaler Geräte im Klassenzimmer auftauchen. So ist etwa der IT-Gigant Apple drauf und dran, sich im Bildungsbereich eine monopolähnliche Marktstellung aufzubauen.

Immer deutlicher wird auch, dass ein himmelweiter Unterschied besteht zwischen dem überall und jederzeit verfügbaren Wissen im Internet und seiner Nutzung andererseits. Das zeigen insbesondere westliche Initiativen in den Entwicklungsländern: Der Glaube, allein mit dem Zugang zu digitalen Geräten und Internet könne man Kinder aus der Bildungsmisere herausholen, hat sich als vollkommen naiv entpuppt.

Die versammelten Beiträge dieser Bildungsbeilage zu mobilem Lernen machen deshalb vor allem eines deutlich: Die Informationsgesellschaft ist mehr denn je auf WissensvermittlerInnen angewiesen. Denn nur wer gelernt hat, kritisch mit digitalen Technologien und Wissensschätzen umzugehen, kann effizient durch die Informationsflut navigieren und vermag sich selbstständig darin zu orientieren.

Die Illustrationen zu dieser Bildungsbeilage stammen von Philip Schaufelberger (31), der als freischaffender Illustrator und Comiczeichner in Zürich arbeitet. 2010 erhielt Schaufelberger den «Gender & Diversity»-Preis der Hochschule Luzern für seinen Reportagecomic «Hier. Dort. Diese Strasse», seine Abschlussarbeit im Studienbereich Illustration.

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