Nr. 44/2012 vom 01.11.2012

Nur ein wenig gelernt

Die UBS fährt ihr Investmentbanking zurück. Gut so. Doch für die Kosten des Arbeitsplatzabbaus darf diesmal nicht der Staat aufkommen.

Von Stefan Howald

Noch selten sind Massnahmen zum Arbeitsplatzabbau so einhellig begrüsst worden wie die Ankündigung der UBS, ihr Investmentbanking zu verkleinern. Was von linker Seite schon lange gefordert worden war, trieb die Börsenkurse um sieben Prozent in die Höhe, und selbst der Schweizerische Bankpersonalverband erklärte, grundsätzlich sei die Redimensionierung des Investmentbankings zu begrüssen.

Die UBS reagiert damit endlich auf die veränderte Situation nach der Finanzmarktkrise von 2007/08. Sie reagiert später, dafür tiefgreifender als andere Banken. Rund 10 000 Stellen sollen innerhalb von drei Jahren abgebaut werden – das ist ein Sechstel der jetzigen Belegschaft. In der Schweiz sollen dabei 2500 Stellen gestrichen werden – das ist die grösste Massenentlassung des Landes seit langem.

Die UBS-Oberen führen ein Rückzugsgefecht und machen für den Abbau unter anderem stärkere Regulierungen des Bankensektors zur Risikoverminderung verantwortlich. Richtig. Die neuen Regulierungen haben das seit längerem defizitäre Investmentbanking endgültig unrentabel gemacht. Dafür sind sie ja da: um Risiken zu vermindern. Dabei sind die neuen Vorschriften durchaus handzahm (siehe WOZ Nr. 27/12). Das Klumpenrisiko der Schweizer Grossbanken ist immer noch zu gross.

Betroffen vom Abbau sind direkt nur 2000 InvestmentbankerInnen. Der Hauptteil der Stellen wird bei vorgelagerten und nachgelagerten Funktionen, vor allem im IT-Bereich, eingespart. Da wird offenbar über die neue strategische Ausrichtung hinaus ein Unternehmen fit getrimmt. Mit Nebenwirkungen: Bereits fürchtet das Zürcher Finanzdepartement, dass die UBS dank all der Abschreibungen an ihrem Zürcher Sitz weit über 2017 hinaus keine Steuern bezahlen wird.

Die Richtung der Massnahmen stimmt, die Form nicht. Wenn die UBS ein wenig gelernt hat, so scheint sie in anderer Hinsicht nichts zu lernen. Etwa bei der Transparenz. Oder beim Einbezug der Beschäftigten. Denise Chervet, Zentralsekretärin des Bankpersonalverbands, beklagt, dass die UBS den Sozialdialog abgebrochen hat. Seit 2011 wird nicht mehr mit den Organisationen der Beschäftigen verhandelt, sondern nur noch mit bankinternen VertreterInnen. Jetzt wendet sich der Bankpersonalverband gegen «vorschnelle Entlassungen».

Gefordert werden müsste aber auch eine Umschulung durch die Bank. Der Staat ist schon einmal eingesprungen, um die marode UBS zu retten; jetzt darf er nicht wieder die Kosten der gestrichenen Arbeitsplätze tragen.

Eine Strategie ist gescheitert, das Investmentbanking wird preisgegeben, und die UBS konzentriert sich auf das Private Banking. Das macht die Bank noch nicht zum weissen Raben. Wenn UBS-Chef Sergio Ermotti das durchlöcherte Bankgeheimnis aufgeben will, so hat das zwar noch Symbolwert. Doch die Finanzplatzexpertin Mascha Madörin hält fest: Die Schweizer Banken profitieren durch die Verwaltung grosser Privatvermögen weiterhin von der globalen Umverteilung von unten nach oben und sind zugleich darauf angewiesen. Während die Schweizer Privatbanken dabei Gegenwind spüren, haben die beiden Grossbanken ihre Präsenz vor Ort ausgebaut, in Nahost und in den Boomregionen in Asien. Die UBS betont zwar nach aussen den Standort Schweiz, aber für Madörin wird der grosse Abbau hier erst noch kommen.

Von links wird seit Jahren der Rückbau des Finanzplatzes gefordert. Die Frage, wie die gestrichenen Arbeitsplätze kompensiert werden sollen, ist meist ein blinder Fleck geblieben. Vielleicht müsste man wieder mal Ideen zur Konversion von Bankjobs in andere Tätigkeiten entwickeln.

Zumal sich auch sonst die wirtschaftliche Lage verschlechtert. Die Schweiz hat europaweit gesehen eine unverschämt geringe Arbeitslosigkeit. In letzter Zeit haben sich jedoch Meldungen zum Arbeitsplatzabbau gehäuft. Gerade eben kündigt die Chemiefirma Lonza den Abbau von rund 500 Arbeitsplätzen an. Die Bilanz allein im Oktober liest sich düster. Computerhersteller Hewlett Packard: 230 Stellen. Kommunikationsunternehmen Sunrise: 140 Jobs. Industriekonzern Rheinmetall: 80 Arbeitsplätze. Zahnimplantatehersteller Straumann: 50. Chemiekonzern Du Pont: 60. Gerätehersteller Elektrolux: 80. Bei allen Betrieben macht das zwischen fünf und zehn Prozent der Beschäftigten aus. Eine Arbeitsmarktpolitik, die über die Stützung des Frankenkurses hinausgeht, bekommt neue Bedeutung.

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