Nr. 45/2012 vom 08.11.2012

Die lustigste Frau der Welt

Von Susi Stühlinger

Erst 2008 erlangte Tina Fey als Imitatorin der US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin so etwas wie Weltruhm. Dabei produzierte die «lustigste Frau der Welt» («Spiegel») da schon zwei Jahre lang eine der lustigsten Sitcoms überhaupt – und wer «30 Rock» nicht kennt, dem sei es hier wärmstens empfohlen. Fey spielt darin sozusagen sich selbst: die Chefautorin einer Comedyshow – die sie zuvor bei der NBC-Sendung «Saturday Night Live» tatsächlich war, und zwar als erste Frau überhaupt. 2011 hat sie, wie es sich für TV-Grössen gehört, eine Art Autobiografie geschrieben.

«Bossypants» ist nicht nur sehr amüsant, sondern auch ein Lehrstück darüber, was Feminismus heutzutage kann und soll. Feys Tätigkeit in der Comedybranche, einer der nach wie vor grössten Männerbastionen, bietet dafür einen fruchtbaren Boden: «Einzig in der Comedy», schreibt sie über ihre Bewerbung bei «Saturday Night Live», «bereichert ein folgsames, weisses Vorstadtmädchen die Vielfalt.» Fey erzählt davon, wie sich die Frauen bei der Comedyshow ihren Platz erkämpften; wie die Männer sagten, dass sie es «nicht mögen» würden, wenn sie die – bis anhin Männern vorbehaltenen – schmutzigen Witze rissen, und dass es darauf nur eine Antwort gebe, nämlich: «I don’t fucking care if you like it!» (Mir ist es scheissegal, ob du es magst).

So ist «Bossypants» als Verlautbarung dafür zu lesen, dass frau ebenso selbstverständlich eine grosse Klappe haben darf (und soll) wie ihre Kollegen. Wenn ein Onlinekommentator über Fey schreibt, dass sie nur deshalb so gefeiert werde, weil sie eine Frau sei, und sie «keinen einzigen lustigen Knochen im Körper» habe, antwortet sie lakonisch: «Ein Hurra auf den Wahrheitsverkünder! Frauen werden in diesem Land schon viel zu lange überschätzt.» Und im Postskriptum fügt sie an: «Weisst du, wer einen lustigen Knochen im Körper hat? Deine Mutter, jede Nacht für einen Dollar.» Das ist zwar geschmacklos und sexistisch, doch lässt es sich auch feministisch lesen: Empört euch darüber, aber empört euch nicht, nur weil es aus dem Mund einer Frau kommt!

Noch empfehlenswerter ist die Originalausgabe von «Bossypants», 
die 2011 erschienen ist.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch