Nr. 10/2014 vom 06.03.2014

Der revolutionärste Bürgermeister der USA

Von Daniel SternMail an AutorIn

Erst vergangenes Jahr war Chokwe Lumumba mit 87 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Jackson gewählt worden, der grossmehrheitlich von Schwarzen bewohnten Hauptstadt des US-Bundesstaats Mississippi. Zu Beginn seiner Antrittsrede hob er kurz die Faust zum Black-Panther-Gruss und sagte: «Befreit das Land.»

1947 in Detroit als Edwin Finley Taliaferro geboren, wurde er früh mit dem grassierenden Rassismus konfrontiert. Er schloss sich als Student der Bürgerrechtsbewegung an und bald auch einer Gruppe namens Republic of New Afrika. Diese kämpfte für einen unabhängigen Staat mit schwarzer Bevölkerungsmehrheit im Süden der USA und forderte Entschädigungszahlungen an die schwarze Bevölkerung wegen der Sklaverei. Auch seine Namensänderung steht in diesem Zusammenhang: Der Vorname Chokwe ist einem afrikanischen Stamm entlehnt, der einst gegen die Sklavenhändler kämpfte; der Nachname Lumumba ist in Erinnerung an den kongolesischen Freiheitskämpfer Patrice Lumumba (1925–1961) gewählt. Von Beruf Rechtsanwalt, verteidigte Chokwe Lumumba unter anderem verschiedene Black-Panther-AktivistInnen wie auch den Rapper Tupac Shakur.

Aufgrund seines leidenschaftlichen Verteidigungsstils handelte er sich 2004 ein halbjähriges Berufsverbot ein. Nach der Wahl zum Bürgermeister setzte er sich zum Ziel, dass innerhalb von vier Jahren zehn Prozent der Wirtschaftsleistung von Jackson aus Kooperativen stammen.

Sein Bürgermeisteramt sah er als Schritt, um die Macht der Schwarzen auszubauen. In Jackson sollten neue Formen der BürgerInnenbeteiligung erprobt werden, ein Klima für radikales Denken entstehen. Eine Steuererhöhung, um die desolate Wasserversorgung zu sanieren, brachte er mit einer Zustimmung von neunzig Prozent durch eine Volksabstimmung. Chokwe Lumumba starb am 25. Februar, kaum acht Monate nach seiner Amtseinsetzung. Der Vision eines unabhängigen Staats blieb er bis zu seinem Tod treu.

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