Nr. 24/2014 vom 12.06.2014

Asylbetreuungsfirma schluckt Konkurrenz

Von Jan JirátMail an AutorIn

Die Zeichen bei der Zürcher Asylbetreuungsfirma ORS Service AG, die wegen ihrer Mandate wiederholt in der Kritik von NGOs stand (siehe WOZ Nr. 39/2012), stehen wieder auf Expansion: Ende letzter Woche hat die Firma die Übernahme der ebenfalls privaten Konkurrenzfirma ABS Betreuungsservice AG aus Pratteln BL kommuniziert. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die Betreuung von Asylsuchenden ist ein millionenschweres Business, in dem private Firmen in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend Fuss gefasst haben. Allen voran die ORS AG, die jahrelang von einer gesetzeswidrigen Monopolstellung bei der Betreuung der fünf bundeseigenen Unterkünfte profitiert hat, weil das Bundesamt für Migration es versäumte, den Auftrag öffentlich auszuschreiben. Seit Anfang des Jahres ist das Monopol nach einer öffentlichen Ausschreibung gebrochen: Die ORS AG betreut noch die Bundeszentren in Basel, Vallorbe und Chiasso. Die Aufträge in Kreuzlingen und Altstätten hat die öffentlich-rechtliche Asylorganisation Zürich übernommen.

Die nun geschluckte ABS AG ist vor allem im Raum Nordwestschweiz und Ostschweiz tätig, beschäftigt 110 MitarbeiterInnen und erzielt gemäss dem Wirtschaftsmagazin «Eco» einen Umsatz von 20 Millionen Franken. Zum Vergleich: Der Umsatz der ORS AG beträgt 55 Millionen Franken, die Zahl der Mitarbeitenden liegt bei 450. Die Expansion der Zürcher Asylbetreuungsfirma geht über die Grenze hinaus. Seit 2012 ist sie mit einer Tochtergesellschaft in Österreich tätig, wo sie sich bereits fünf Betreuungsmandate sichern konnte.

Durch die Übernahme des mit Abstand grössten direkten Konkurrenten hat die ORS AG ihre Vormachtstellung als private Anbieterin in der Deutschschweiz zementiert. Wer nach dem kürzlichen Verlust der beiden Betreuungsmandate der Bundeszentren in Kreuzlingen und Altstätten von einer Trendwende in Richtung öffentlich-rechtliche AnbieterInnen ausging, dürfte sich getäuscht haben.

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