Nr. 35/2014 vom 28.08.2014

Auf exzessiver Mission: Jack is back!

Von Franziska MeisterMail an Autor:in

Er ist der Held im Feld mit Standleitung ins Oval Office – wenn nötig, kriegt er sogar den Präsidenten dazu, einen Verdächtigen foltern zu lassen. Schliesslich geht es ums grössere Ganze: Terroristische Anschläge auf «amerikanischem Boden» müssen verhindert, das «amerikanische Volk» beschützt werden. Nur «Copy that!» kommt Jack Bauer häufiger über die Lippen als diese patriotischen Phrasen, wenn er in den Eingeweiden von Los Angeles einem Bösewicht hinterherjagt. (Und dabei vergisst er nie, in welche Himmelsrichtung er gerade rennt.)

Jack ist auf Mission, ein wandelndes GPS, konstant vernetzt mit Smartphone, Computer und Satellit, der digitalen Trinität im Zeitalter der totalen Überwachung, das der 11. September 2001 eingeläutet hat. Der binäre Gott hockt in den Schaltkreisen der Antiterroreinheit CTU – allgegenwärtig, allwissend, allmächtig.

Wäre da nicht Jacks ambivalentes Verhältnis zum Übervater CTU – eine On/Off-Beziehung, die sich auch durch den Rest seines Beziehungslebens zieht. «Früher oder später fallen alle um dich herum tot um.» Mit diesen Worten verbietet ihm der Vater seiner grossen Liebe den Umgang mit ihr. Die Evidenz spricht für ihn: Wer in den ersten zehn Minuten einer Folge keinen «speaking part» erhält, überlebt sie meist nicht. Und von all jenen, die mit Jack Bauer zusammenarbeiten, hat nur Chloe O’Brian alle acht Staffeln von «24» überlebt. Jack Bauers Story ist eine einzige Borderlinegeschichte.

Immer geht es um den Exzess: In «24» ist alles auf Speed. Das Schnitttempo ist hoch, mehrere Schauplätze und Handlungsstränge werden mithilfe der Splitscreen-Technik in eine Bildebene zusammengedrängt, und Jack Bauer selbst hetzt mit solcher Geschwindigkeit durch die immer wieder von einer optisch tickenden Digitaluhr unterbrochene Handlung, dass er meist nurmehr atemlos zu flüstern weiss. Ausser wenn seine Stimme mit eruptivem Durchbruch der akustischen Schmerzgrenze eine Gewaltorgie ankündigt.

Als «Himmler von Hollywood» soll der Philosoph Slavoj Zizek laut Wikipedia Jack bezeichnet haben. Doch der eigentliche Skandal ist: Jack Bauer hat nicht mal einen eigenen Wikipedia-Eintrag!

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