Nr. 36/2014 vom 04.09.2014

Kämpfer nach Syrien

Muslimische Organisationen auf den Philippinen bekennen sich zu den Dschihadisten des Islamischen Staats.

Von Rainer Werning

Seit dem Frühjahr gestalten sich Kontakte zwischen der dschihadistischen Organisation Islamischer Staat (IS) und Gesinnungsgenossen in Südostasien immer enger. Neben Indonesien ist dabei vor allem der Süden der Philippinen für die IS-Propagandisten von Interesse. Schliesslich hat dort mit der Abu-Sayyaf-Gruppe (ASG) eine militante Organisation mehrfach international für Furore gesorgt. Deren Gründungsmitglieder hatten als Mudschahedin bereits in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzungstruppen gekämpft. Die ASG beherrschte selbst in Europa wochenlang die Schlagzeilen, als einige ihrer Kommandeure im Sommer 2000 auf der südphilippinischen Insel Jolo auch WesteuropäerInnen als Geiseln gefangen hielten und sie erst nach hohen Lösegeldzahlungen auf freien Fuss setzten.

Kämpfer für Irak und Syrien

Mehrere Grossoffensiven von philippinischen Eliteeinheiten und US-Spezialkräften in der Region vermochten die ASG nicht aufzureiben. Im Gegenteil: Quietschfidel zeigte sich erst kürzlich Isnilon Hapilon, ein führender Befehlshaber der ASG, in einem am 23. Juli hochgeladenen Youtube-Video. Fünf Millionen US-Dollar Kopfgeld sind auf seine Ergreifung ausgesetzt. Hapilons Videobotschaft, Arm in Arm mit vermummten Mitstreitern zelebriert, war kurz und bündig: Er und seine Gefolgschaft bekennen sich zum IS und wollen dessen Führung bedingungslos folgen.

Seit etwa Anfang Juni sind laut zuverlässigen Quellen der WOZ in Zamboanga City, das im Südwestzipfel von Mindanao gelegen ist, mehrere Dutzend vorwiegend jugendliche Moros über unterschiedliche soziale Medien dafür begeistert worden, sich dem IS anzuschliessen und in den Irak oder nach Syrien zu reisen.

Neben der ASG haben ausserdem führende Kader der Bangsamoro Islamischen Freiheitsbewegung (BIFM) sowie ihres militärischen Arms, der Bangsamoro Islamischen Freiheitskämpfer (BIFF), Unterstützung für den IS signalisiert. BIFM-Sprecher Abu Misry Mama bestätigte am 22. August 2014 eine via Mobiltelefon und Internet hergestellte Allianz zwischen seiner Organisation und dem IS. Allerdings schloss er aus, dass BIFF-Rekruten Trainingslager im Irak oder in Syrien durchlaufen. Bis heute würden keine Kombattanten der BIFF Seite an Seite mit den IS-Milizen kämpfen.

Gegen Friedensverhandlungen

Die Hinwendung der ASG und der BIFM/BIFF zum IS ist gleichzeitig auch gegen den laufenden Friedensprozess zwischen der philippinischen Regierung und der MILF gerichtet. Von dieser spalteten sich die BIFM/BIFF 2008 mit dem Argument ab, die MILF habe das ursprüngliche Ziel eines unabhängigen Moro-Staats fallen gelassen. Oberwasser bekamen die MILF-KritikerInnen, als es in der ersten Augusthälfte mehrtägiger Marathonsitzungen bedurfte, um «Nachbesserungen» an bereits vereinbarten Friedensdokumenten vorzunehmen.

Offensichtlich gehen die Entwicklungen der vergangenen Wochen nicht spurlos an der MILF vorbei. Auf ihrer offiziellen Website luwaran.com gesteht sie in einem am 23. Juli publizierten Editorial ein, dass die US-Nahostpolitik den Radikalismus schüre. Gleichzeitig warb man eindringlich für die eigene Position. Ohne die MILF, so das Fazit des Kommentars, würden die Schleusen für eine neuerliche Gewalteskalation weit geöffnet.

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