Nr. 40/2014 vom 02.10.2014

Bald ein Mindestlohn für TextilarbeiterInnen?

Von Meret Michel

In Kambodscha verhandeln die Gewerkschaften wieder mit den Besitzern der Textilfabriken. Sie fordern einen gesetzlichen Mindestmonatslohn von 177 US-Dollar. In den letzten Monaten kam es immer wieder zu Protesten der TextilarbeiterInnen. Anfang des Jahres gingen Polizei und Militär brutal gegen Streikende vor, schlugen mit Knüppeln auf sie ein. Am 3. Januar 2014 erschossen sie vier DemonstrantInnen in Phnom Penh (siehe WOZ Nr. 3/14).

Die kambodschanischen Textilfabriken produzieren unter anderem für H&M, Adidas, C&A, Zara und Puma. Vergangene Woche sprachen sich acht Firmen, darunter H&M und Zara, in einem Brief an die Regierung für eine «Wiederherstellung des Arbeitsfriedens» aus. Für Christa Luginbühl, Koordinatorin der Clean Clothes Campaign bei der Erklärung von Bern, reicht dies nicht: «Die Firmen sollten sich explizit für den Mindestlohn aussprechen.» Ein existenzsichernder Lohn sei viermal höher als die heutigen hundert Dollar. Dass sich die Textilriesen überhaupt in der Pflicht sehen, sich zu äussern, ist indes neu. «Der 3. Januar und der Fabrikeinsturz in Bangladesch sitzen den Firmen noch in den Knochen», sagt Luginbühl.

Der Kampf der TextilarbeiterInnen für eine faire Entlöhnung ist in den letzten Jahren intensiver geworden. Die Gewerkschaften in Kambodscha sind kleinräumig organisiert, eine landesweite Mobilisierung ist schwierig. 2010 jedoch demonstrierten über 200 000  ArbeiterInnen. «Die Gewerkschaftsbewegung hat in den letzten Jahren neue Dynamik erhalten», sagt Luginbühl, «vor allem auch seit dem Fabrikeinsturz in Bangladesch.» Auch in Indonesien und Bangladesch organisieren sich immer mehr NäherInnen, um gemeinsam für einen fairen Lohn zu kämpfen.

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