Nr. 45/2014 vom 06.11.2014

Leben in der Baracke

Von Silvia SüessMail an AutorIn

«I bin en Italiano und schpile guet Piano / I schaffe in Fabrik und magge Stück für Stück.» Aus voller Brust sangen wir als Schulkinder jeweils dieses Lied: «Du bisch e cheibe Netti, hesch goldigi Uhrechetti / Hesch vieli Geld im Sack und eigeni Barack.»

«Barack», so lehrte uns die Lehrerin, bedeute «Wohnung». Doch warum der italienische Gastarbeiter die Wohnung als «Baracke» besingt, wurde nie thematisiert.

Eine Ausstellung sowie eine Tagung in Bern widmen sich nun den prekären Arbeits- und Wohnbedingungen der Saisonniers. Das Saisonnierstatut wurde 1934 eingeführt. Es erlaubte Unternehmen, AusländerInnen für eine Saison einzustellen; während dieser Zeit durften diese weder ihre Familie mitnehmen noch ihre Arbeitsstelle oder den Wohnort wechseln. Viele Kinder wuchsen deshalb im Versteckten auf. Erst 2002 wurde das Saisonnierstatut abgeschafft. Doch durch das Ja zur «Masseneinwanderungsinitiative» am 9. Februar dieses Jahrs droht der Schweiz eine Rückkehr in die düsteren alten Zeiten.

Die Ausstellung «Baracke, Fremdenhass und versteckte Kinder», die von der Gewerkschaft Unia organisiert wird, sowie eine gut fünfzigseitige Broschüre zum Thema wollen das Bewusstsein schärfen für die Fehler der Vergangenheit und daran erinnern, dass das Leben für die Saisonniers nicht so lustig war, wie uns das im Lied «I bin en Italiano» vermittelt wurde.

Ausstellung und Tagung «Baracken, Fremdenhass und versteckte Kinder» in Bern, 7. November 2014. Ausstellung: Saisonnierbaracke, Waisenhausplatz, 14 Uhr. Tagung: Progr, 9.30–13 Uhr. www.unia.ch

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