Nr. 04/2015 vom 22.01.2015

Das Ende einer Ehe

«Unter der Haut» von Claudia Lorenz eröffnet heuer die Solothurner Filmtage.

Von Geri Krebs

Vor über zehn Jahren sorgte Claudia Lorenz schon mal für Furore, mit «Hoi Maya», ihrem Kurzfilm um zwei Damen in einem Coiffeursalon. Es war ihr Abschlussfilm an der Zürcher Hochschule der Künste, nach der Premiere lief er auf mehreren Dutzend Festivals weltweit und gewann den Panorama-Publikumspreis der Berlinale. Seither hat sie vier weitere Kurzfilme realisiert und sich Zeit für die Recherchen zu ihrem Erstling «Unter der Haut» genommen. Mit Rolando Colla («Summer Games») entwickelte sie ein sensibles Szenario zu einem Thema, das so noch kein Schweizer Film behandelt hat: das Auseinanderbrechen einer langjährigen Beziehung durch das Coming-out eines der beiden PartnerInnen.

Es ist eine so schlichte wie eindringliche Geschichte, die hier mit Konsequenz als unausweichliches Verhängnis erzählt wird. Alice (Ursina Lardi) und Frank (Dominik Jann) sind seit achtzehn Jahren verheiratet, sie haben drei Kinder und sind erst kürzlich in eine neue, grössere Wohnung auf dem Land gezogen. Dass irgendetwas mit ihrem Mann anders ist als früher, merkt Alice bald nach dem Umzug. Als sie auf dem gemeinsamen Computer offene Gay-Dating-Seiten entdeckt, stellt sie Frank zur Rede. Nach anfänglichem Leugnen und Ausweichen gesteht Frank, dass er sich in Pablo (Antonio Buil) verliebt hat, einen spanischen Ladenbesitzer aus der Umgebung.

Es gehört zu den Stärken des Films, dass dieser Pablo lange nur phantomartig über dem Leben dieser Familie schwebt. Bis dahin sehen wir Alice, wie sie mit Energie und rührenden Liebesbezeugungen um ihren Mann kämpft. Darin entwickelt «Unter der Haut» seine intensivsten Momente, und es ist Ursina Lardi («Das weisse Band»), die in dieser Geschichte den stärksten Eindruck hinterlässt.

«Unter der Haut» in Solothurn, Konzertsaal, Mo, 26. Januar 2015, 17.30 Uhr. 
Ab 26. Februar 2015 in den Kinos.

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