Nr. 09/2015 vom 26.02.2015

Rostfrei

Von Stefan Howald

Endlich ist der Rost weg. Die kunstvollen Eisenarbeiten um Georg Büchners Grabstätte auf dem Zürcher Germaniahügel erstrahlen in neuem mattem Zinkglanz. Es war eine komplexe Operation, wie die Stadtverwaltung mitteilt: Das Gitter wurde aus dem Sandsteinfundament gelöst, zerlegt, entrostet und neu verzinkt.

Vorletztes Jahr war zum 200. Geburtstag des Schriftstellers und Revolutionärs an der Gedenkstätte bereits eine neue Linde gepflanzt worden (siehe WOZ Nr. 43/2013). Sie wächst, obwohl sie noch immer der Stütze und Pflege bedarf. Und jetzt ziert also ein Gitter ohne Rost das Grab. Linksbüchnerianisch gesehen ist der Vorgang nicht ohne dialektische Widerhaken. Einerseits: Wäre nicht gerade der historische Firnis einem Schriftsteller angemessen, der sich in Leben und Werk gegen jede gesellschaftliche Einordnung empörte? Darf eine solch revolutionäre Gestalt überhaupt eingehegt werden? Andererseits sollte doch das Andenken in jedem Glanz erstrahlen, den es verdient. Das matte Zink hinwiederum scheint genau die angemessene Synthese zwischen demokratischem Respekt und Glamour auszustrahlen.

Gekostet hat die Renovation übrigens 13 000 Franken. Aber für Büchner ist uns natürlich nichts zu teuer.

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