Nr. 18/2015 vom 30.04.2015

Demontage der «BaZ»

Andreas Fagetti über den Film «Die Übernahme»

Von Andreas Fagetti

In der filmischen Intervention «Die Übernahme» von Edgar Hagen über die «Basler Zeitung» («BaZ») sagt der Kulturvermittler Werner Lukas bemerkenswerte Sätze: «Diese Zeitung trägt ja immer noch den Namen dieser Stadt, aber den verdient sie einfach nicht mehr. Und diese Stadt verdient keine solche Zeitung.» Vernichtender kann ein Urteil über eine Regionalzeitung nicht ausfallen.

Aber was kümmert Christoph Blocher und Markus Somm Regionaljournalismus. Es geht nicht um Journalismus, es geht um rechtskonservative Propaganda. Werner Lukas’ Einschätzung ist eine von zahlreichen vernichtenden Einschätzungen. Was nicht verwunderlich ist, denn im Film kommen ausschliesslich GegnerInnen der Blocher-«BaZ» zu Wort. PolitikerInnen, ein Psychiater, Opfer der medialen «BaZ»-Vernichtungsfeldzüge – 25 Personen treten auf. Sie sehen die Entwicklung der «Basler Zeitung» als eine Gefahr für die Demokratie in der Region.

Die Einseitigkeit ist vom Basler Regisseur Edgar Hagen nicht gewollt. Die Macher des Films hatten Chefredaktor Markus Somm eingeladen, weitere «BaZ»-RedaktorInnen, auch überzeugte «BaZ»-LeserInnen – und nur Absagen erhalten. Ein Propagandablatt muss sich der Kritik nicht stellen – das schwächt bloss die Propaganda. Ein solches Blatt muss auch keine offensichtlichen Fehlleistungen eingestehen – wie sie der Presserat mehrfach festgestellt hatte – und Eingeständnisse schon gar nicht abdrucken. Das passt nicht ins Propagandageschäft.

Die Schlagzeilen beherrschen die Rechtskonservativen und Libertären um Christoph Blocher schon lange. Aber in die Schlagzeilen kommen ist das eine, sie gleich selber machen ist das andere und ungleich wirksamer. Die «BaZ» war eine Gelegenheit, mehr nicht, wie zuvor die mittlerweile zum SVP-Parteiblatt mutierte «Weltwoche». Die Rechte um Blocher, Konrad Hummler und Tito Tettamanti träumt schon lange davon, ernst zu nehmende Titel unter ihre Kontrolle zu bringen und ihre autoritär-neoliberale Schweiz in die Köpfe der Menschen zu hämmern. Auch wenn die Inthronisation von Somm als NZZ-Chefredaktor und damit der Griff nach der NZZ-Gruppe gründlich missglückt ist: Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. In Zürich, St. Gallen, Luzern.

Ums Geschäft gehts dabei nur nebenbei. Der Markt hat sich den politischen Absichten unterzuordnen. Misst man den Erfolg nämlich an der Nachfrage, sind die beiden fundamentalistischen Marktradikalen Blocher und Somm mit ihrem Medienunternehmen «Basler Zeitung» gescheitert. Der Markt straft sie ab: Seit Blocher im August 2010 seinen Biografen Markus Somm als Chefredaktor installiert hat, hat das in der drittgrössten Stadt der Schweiz immer noch marktbeherrschende Blatt mehr als ein Drittel seiner Auflage eingebüsst. 2010 hatte die «BaZ» eine Auflage von 83 000 Exemplaren, mittlerweile sind es 51 000. Das ist ein beispielloser Absturz unter den bedeutenden Schweizer Tageszeitungen. Jeder andere Chefredaktor hätte längst den Hut nehmen müssen.

Als Chefideologe erfüllt Markus Somm offensichtlich seinen Zweck. Es geht nicht um Journalismus, nicht ums unmittelbare Geschäft, nicht um Tradition. Die «Basler Zeitung» ist als Zeitung heruntergewirtschaftet. Das wird auch anderen Regionalblättern nicht anders ergehen, sollten sie in die Hände dieser Leute geraten.

Andreas Fagetti ist WOZ-Redaktor. 
Der Film «Die Übernahme» ist zurzeit in verschiedenen Kinos zu sehen.

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