Nr. 21/2015 vom 21.05.2015

Mit Kanus gegen Shell

Von Daniel Stern

Der Energiekonzern Shell wird diesen Sommer vor der Küste Alaskas in der Tschuktschensee nach Öl bohren. Am 11. Mai hat er dazu die Bewilligung der US-Regierung erhalten. Dabei handelt es sich nicht um irgendeine x-beliebige Bohrstelle. Es geht um die Erschliessung eines neuen, gigantischen Erdölfelds. Und das in einer ökologisch besonders sensiblen Gegend und in einem technisch äusserst schwierigen Umfeld (siehe WOZ Nr. 22/2010). Shell geht davon aus, dass im Boden der Tschuktschensee fünfzehn Milliarden Fass Erdöl liegen. Für die Lizenz hat der britisch-niederländische Konzern vor sieben Jahren 2,1 Milliarden US-Dollar auf den Tisch gelegt.

Hat da jemand was von Klimawandel gesagt? Shell kennt die Fakten. In einem internen Papier, aus dem jüngst die britische Zeitung «Guardian» zitierte, geht hervor, dass die Shell-ManagerInnen davon ausgehen, dass sich die Erde in den kommenden Jahrzehnten um weit mehr als zwei Grad Celsius erwärmt. Soll die Welt halt aufgrund der Erderwärmung in immer grössere Umweltkatastrophen stürzen, vorher wird noch abkassiert. Und da will Shell zuvorderst mit dabei sein.

Shell rechnet damit, dass die Nachfrage nach Erdöl auch in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigt. Seine Bohrtürme in der Tschuktschensee würden dem Konzern dabei einen konstanten Geldsegen bescheren. Sicherheitsbedenken wischen die ManagerInnen mit den üblichen Standardsätzen vom Tisch: Man unternehme alles, um das Risiko absolut gering zu halten. Ein Konzern, der alles im Griff hat? An Silvester 2012 war Shells fahrbare Bohrinsel Kulluk ausgerechnet vor der Küste Alaskas während eines Wintersturms in eine Insel geknallt. Eine leckgeschlagene Bohrstelle hundert Kilometer vor der Küste Alaskas hätte für das Eismeer und seine Bewohner desaströse Folgen.

Das Einzige, was Shell noch aufhalten kann, ist die öffentliche Meinung. So wurde am Wochenende ein Ölschiff von Shell in Seattle, von wo es nächstens nach Alaska aufbrechen will, von Hunderten wütenden KanufahrerInnen blockiert. Wer will bei so einem Konzern noch tanken?

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