Nr. 01/2016 vom 07.01.2016

Dossiers statt PatientInnen

Von Cathrin Caprez

Den Schweizer ÄrztInnen bleibt lediglich noch ein Drittel ihrer Arbeitszeit für die direkte Betreuung ihrer PatientInnen; in der Psychiatrie und der Rehabilitation gar nur noch etwa ein Viertel. Zu diesem Ergebnis kommt eine soeben publizierte Untersuchung des Forschungsinstituts GfS Bern im Auftrag der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH). Immer mehr Zeit hingegen müssen ÄrztInnen für die Administration und die Dokumentation der PatientInnendossiers einrechnen.

Besonders alarmierend ist die Entwicklung gemäss Studie bei den BerufseinsteigerInnen. «Die Assistenzärzte verbringen mittlerweile fast gleich viel Zeit mit Dokumentieren wie mit ihren Patienten», sagt Doktor Pierre-François Cuénoud, Vizepräsident der FMH. «Das ist für sie besonders frustrierend, haben viele doch den Beruf gerade gewählt, um mit Patienten Kontakt zu haben.» Entsprechend fehlt es den jungen ÄrztInnen oft an Zeit für Weiterbildungen und praktische Übungen.

Seit 2011 lässt die FMH die ÄrztInnenschaft regelmässig befragen – mit dem Ziel, den Einfluss des 2012 eingeführten Fallpauschalensystems Swiss DRG zu untersuchen. Mit Swiss DRG bezahlen die Krankenkassen pro Behandlung einen pauschalen Betrag und nicht mehr die tatsächlich anfallenden Kosten.

Als erstes Land weltweit plant die Schweiz, ab 2018 analoge Tarifsysteme in der Psychiatrie (Tarpsy) und der Rehabilitation (ST Reha) einzuführen. Insbesondere Tarpsy wird von ÄrztInnen und Spitälern heftig kritisiert. Die geplanten Fallpauschalen seien für die Erfassung psychiatrischer Behandlungen nicht geeignet. Gemäss der aktuellen Umfrage befürchten die PsychiaterInnen auch einen erheblichen administrativen Mehraufwand.

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