Nr. 23/2016 vom 09.06.2016

Also doch: «Size matters!»

Von Franziska Meister

Endlich liefert die Wissenschaft die ultimative Antwort auf die Frage, ob es wirklich auf die Grösse ankommt. Sie lautet: ja, ja und nochmals ja!

Dies berichten ForscherInnen der Universität Zürich in «Nature», der wohl renommiertesten Fachzeitschrift überhaupt. Das weibliche Geschlecht neigt gemäss ihrer Studie zu häufigem Partnerwechsel und hat dabei nur für das eine ein Auge: Grösse – die Grösse der Hoden, die Grösse der Spermien und die Grösse des männlichen Sexualpartners (weil diese ein Indiz für die ersteren beiden ist). Eine Erkenntnis, die auch das gängige Verständnis sexueller Selektion … nun ja, «erweitert», wie sich die ForscherInnen ausdrücken.

Denn die weibliche Präferenz für grosse Spermien hat zur Folge, dass sich die Männer mächtig ins Zeug legen und ihre ganze Energie in die Produktion möglichst langer Spermien investieren. Das geht nicht nur auf Kosten der Gesamtzahl an Spermien, von denen sie im Verlauf ihres Lebens nur noch wenige Hundert produzieren können. Sie müssen dafür auch mit Hoden klarkommen, die über zehn Prozent ihres Körpergewichts ausmachen. Dafür schaffen sie es auf eine Spermienlänge, die das Zwanzigfache ihrer Körpergrösse beträgt. Diese Riesenspermien drängen ihre kleineren Konkurrenten auf dem Weg zum Ei schlicht wieder aus dem weiblichen Geschlechtstrakt hinaus.

Der potente Mann trägt seine Spermien übrigens zu einem Knäuel aufgerollt zwischen den Beinen – aus logistischen Gründen, wie vermutet werden darf.

Und auch wenn er zur Gattung der Drosophila gehört, der gemeinen Fruchtfliege also: Die Tatsache, dass die weibliche Vorliebe für Grösse ihren genetischen Niederschlag in immer grösseren Spermien findet, müsste den Homo sapiens beiderlei Geschlechts eigentlich dazu bringen, den Imperativ des «Size matters!» zu überdenken. Das wäre dann sogar ein evolutionärer Fortschritt.

Was «Size matters!» für die Körbchengrösse bedeuten würde? Siehe Woody Allens «Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten».

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