Nr. 34/2016 vom 25.08.2016

Die NZZ – weiter gedacht

Von Adrian Riklin

In Zeiten wie diesen, in denen sich die freie Welt und Wirtschaft von allen Seiten angegriffen fühlt, braucht es starke Koalitionen. Ein solcher Ausnahmezustand verlangt, so scheint es, dass alle liberalen Kräfte bedingungslos zusammenspannen. Da erträgt es keine Gewaltentrennung. Und schon gar nicht haarspalterische Trennlinien zwischen Journalismus und Public Relation.

Aus dieser liberalen Grundhaltung heraus hat die NZZ weiter gedacht. Und so bietet sie für frisch promovierte ÖkonomInnen nun bereits im sechsten Jahr ein spezielles Volontariat im Wirtschaftsressort an. Laut dem unlängst in den Printmedien des NZZ-Konzerns veröffentlichten Inserat wird dieses Volontariat konsequenterweise «in Kooperation mit Economiesuisse, dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft, durchgeführt». Konkret: Das einjährige Volontariat «wird je hälftig auf der NZZ-Redaktion und bei Economiesuisse absolviert».

Wie schlagkräftig eine derart weit gedachte Kooperation zwischen der freien Presse und dem organisierten Kapital sein kann, zeigt sich – um ein Beispiel unter vielen zu nennen – im uferlosen Kampf für die liberale Unternehmenssteuerreform III. Aus der Sicht dieses Konglomerats könnte man es auch so formulieren: Um die in mehreren Arbeitskämpfen hart errungenen Grundrechte der kapitalen Schweizer Wirtschaftsführer erfolgreich verteidigen und ausbauen zu können, müssen allfällige Berührungsängste zwischen den VerantwortungsträgerInnen der liberalen Weltanschauung grosszügig überwunden werden.

Für die «Neue Zürcher Zeitung» mag das heissen: sich das liberale Gedankengut nicht durch journalistische Unabhängigkeitsattitüden verderben lassen. In Zeiten wie diesen die Freiheitlichkeit zu verteidigen und für die freie Welt und Wirtschaft einzustehen, so scheint es, ist mehr als eine journalistische Unabhängigkeitserklärung. In diesem Sinn weiter zu denken, heisst demnach wohl: frei auch im Denken zu sein. Frei von Zweifeln. Und vor allem: frei von wirtschaftsfeindlichen Gerechtigkeitsfantasien.

Alles andere ist Journalismus.

Ernsthafte Interessentinnen und Interessenten übermitteln ihre Bewerbungsunterlagen direkt an die NZZ-Wirtschaftsredaktion. Oder an die Kommunikationsabteilung von Economiesuisse.

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