Nr. 45/2016 vom 10.11.2016

Steigen Sie jetzt bitte nicht aus

Von Bettina Dyttrich

Das Wort klingt wie ein Schreibfehler: Kabotage, das «Erbringen von Verkehrsdienstleistungen im Inland durch ausländische Verkehrsunternehmen». Gegen das Kabotageverbot verstossen FernbusfahrerInnen, wenn sie auf dem Weg von Zürich nach Frankfurt in Basel Leute aussteigen lassen. Klingt absurd, ist es aber nicht. Billigbusunternehmen dürfen zwar Reisen von der Schweiz aus ins Ausland anbieten, aber nicht innerhalb der Schweiz. Sonst müssten sie Schweizer Arbeitsbedingungen einhalten. Dieses Verbot ist ein gutes Beispiel dafür, dass der individuelle Egoismus manchmal in Schranken gewiesen werden muss, um das Gemeinwohl zu fördern.

Ausgerechnet der Chef des Bundesamts für Verkehr, Peter Füglistaler, fordert nun Fernbusse für den Schweizer Binnenverkehr. «Für gewisse Verbindungen wären Busse eine ideale Ergänzung», sagte er letzte Woche dem «St. Galler Tagblatt».

Immer wieder geistern in Schweizer Medien Zahlen herum, die belegen sollen, dass Busse nicht nur günstiger, sondern auch ökologischer seien als die Bahn. «Diese Zahlen beziehen sich auf Deutschland», stellt Matthias Müller vom Verkehrsclub der Schweiz (VCS) klar. «Dort schneidet die Bahn schlechter ab wegen des Kohlestroms und weil noch viele Dieselloks im Einsatz sind. In der Schweiz ist der CO2-Ausstoss der Bahn rund neunmal tiefer als bei einem Dieselbus.»

Und da ist einiges noch nicht mitgerechnet. Zum Beispiel dass Busse, die die Strassen zusätzlich verstopfen, der Autolobby Argumente für den Strassenausbau liefern. Und vor allem werden die Busfirmen nicht unbedingt dort fahren, wo sie eine «ideale Ergänzung» sind. Sondern dort, wo sie Profit erwarten. Damit machen sie den Bahnen genau jene gut ausgelasteten Strecken streitig, die diese brauchen, um auch unrentable Strecken zu erhalten. Peter Füglistaler glaubt nicht, dass Busse den Bahnen ernsthaft Konkurrenz machen können. Doch die Erfahrungen in Deutschland verheissen nichts Gutes. Dort versucht die Bahn jetzt, mit Billigangeboten die an Fernbusse verlorenen KundInnen zurückzuholen – und sabotiert sich damit selber.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch