Nr. 05/2017 vom 02.02.2017

«Wir hatten keine andere Wahl»

Von Merièm Strupler

Im Namen der Nächstenliebe wollten zwei christliche Friedensaktivisten am Sonntag den britischen Waffenhandel sabotieren. Dan Woodhouse und Sam Walton brachen beim Rüstungskonzern BAE Systems im nordwestenglischen Lancashire ein. Dort versuchten sie, Kriegsflugzeuge kampfunfähig zu machen, die für den Export nach Saudi-Arabien bestimmt waren. Die Polizei nahm jedoch beide vor Ort fest, wie die BBC und der «Guardian» berichteten. Woodhouse sei Pfarrer einer methodistischen Kirche, Walton gehöre der religiösen Bewegung der Quäker an, so die BBC.

Wer Kriegsflugzeuge stoppe, rette Leben, verteidigte Woodhouse die Aktion. «Wir haben uns nicht leichtfertig dazu entschieden, aber wir hatten keine andere Wahl.» Gelänge es, Saudi-Arabien daran zu hindern, mit immer mehr Flugzeugen den Jemen zu bombardieren, dann könnten «unschuldige Leben gerettet und Kriegsverbrechen verhindert» werden.

Waffenexporte nach Saudi-Arabien werden immer wieder angeprangert. Die saudische Armee führt eine Militärkoalition im Jemen an, die seit 2014 gegen die schiitischen Huthi-RebellInnen kämpft. Nach Angaben der Uno wurden bereits 10 000 Menschen getötet, 21 Millionen leiden als Folge des Krieges an Hunger, Durst und fehlender medizinischer Hilfe; alle zehn Minuten stirbt ein Kind. Es ist ein stilles Leiden und Sterben im Jemen. Im Westen hört man nicht viel davon, wohl auch, weil Saudi-Arabien zu den wichtigsten Waffenkäufern gehört. Die britische Premierministerin Theresa May behauptete kürzlich, dass die «guten Beziehungen» zu Saudi-Arabien dazu beitragen würden, «die Sicherheit in den Strassen Britanniens zu gewährleisten». Auch die Schweiz ist sich für Waffenexporte in den Golfstaat nicht zu schade – 2015 war Saudi-Arabien der zweitgrösste Abnehmer von Schweizer Rüstungsgütern.

Die Polizei von Lancashire aber ermittelt nun gegen die Friedensaktivisten wegen «vorsätzlicher Sachbeschädigung». Der Rüstungskonzern BAE Systems liess verlauten, er werde die polizeiliche Untersuchung so gut wie möglich unterstützen.

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