Neues aus der Wissenschaft : Böses, böses Fett!

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Fett macht fett – und krank. Vor allem, wenn es aus Fastfood wie Hamburger, Pommes oder Pizza stammt. Denn da sind vor allem gesättigte Fette drin. Verzichtet aufgrund dieser tausendfach wissenschaftlich untermauerten Tatsache jemand freiwillig auf Pizza und Co.? Eben. Und das spornt die Wissenschaft zu immer gewagteren Aussagen an. Letzte Woche veröffentlichte das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung eine Studie, gemäss der bereits eine einzige fettreiche Fastfoodmahlzeit ausreicht, um auch bei gesunden, schlanken Männern Stoffwechselveränderungen hervorzurufen, wie sie bei Leuten mit Typ-2-Diabetes beobachtet werden.

Seit drei Monaten wissen wir dank ETH und Uni Zürich zudem: «Junkfood ist möglicherweise hirnschädigend» für Jugendliche. Denn übermässiger Konsum fettreicher Nahrung wirkt sich negativ auf die Reifung des präfrontalen Kortex im Stirnhirn aus, der Gedächtnis, Planung, Impulskontrolle und Sozialverhalten steuert. Wo die Abgründe so tief sind, locken die Versprechen umso höher: Vor wenigen Tagen hat ein internationales Forschungsteam verkündet, ein Gen entdeckt zu haben, das schon bald zur Entwicklung eines Medikaments gegen Übergewicht führen könnte.

Das Gen gehört dem in der Grundlagenforschung äusserst beliebten Wurm C. elegans, der rund achtzig Prozent seiner Gene mit dem Menschen teilt. Das eben entdeckte codiert ein Protein namens ETS-5, das Signale zwischen Darm und Gehirn kontrolliert und den Wurm einschlafen lässt, sobald genug Fett im Darm ist. Füttert man ihn jedoch mit Fastfoodfett, schleicht er sich von dannen und sucht nach besserem Essen. Das sollte man mit einem ETS-5-basierten Medikament auch beim Menschen bewirken können, glauben die ForscherInnen – auch wenn das Hirn des C. elegans mit seinen gut 300 Neuronen im Vergleich zu deren milliardenfachem Vorkommen im menschlichen Gehirn relativ simpel gestrickt ist. Ist es ein Zufall, dass auch die Untersuchung aus Zürich auf ein beliebtes Modelltier – die Maus – zurückgreift und dabei sogar besonders herausstreicht, dass der präfrontale Kortex junger Mäuse ebenfalls erst in der Adoleszenz ausreife und sich dessen Leistungen mit Menschen vergleichen liessen?

Aus derart überzogenen Analogien zwischen Tier und Mensch lässt sich eigentlich nur schliessen: Ein armer Wurm, wer darob auf Schnipo und Calzone verzichtet. (Und eine traurige Maus, die auf eine Pille wartet, die ihr das Verlangen danach austreibt.)

Zum Glück schreibt die ETH Zürich in ihrer Pressemitteilung: «Der Präfrontale Kortex ist das, was den Menschen zum Menschen macht.»