Nr. 19/2017 vom 11.05.2017

In der Schweiz verboten, im Export lukrativ

Von Bettina Dyttrich

Mit Paraquat ist nicht zu spassen: Ein Teelöffel reicht, um einen Menschen zu töten. Und es gibt kein Gegenmittel. Wer mit dem Unkrautvernichtungsmittel arbeitet, riskiert Hautreizungen, Parkinson, Lungen- und vor allem Nierenschäden: In Mittelamerika sind Tausende von LandarbeiterInnen qualvoll an Nierenversagen gestorben. Trotzdem ist Paraquat in vielen Ländern ohne Einschränkung erhältlich. Es ist das giftigste Herbizid auf dem Markt: Damit lassen sich auch die Kräuter abtöten, die gegen alle anderen Mittel resistent geworden sind.

Hierzulande ist Paraquat schon seit fast dreissig Jahren nicht mehr zugelassen. Produziert wird es allerdings noch immer – für den Export. Das zeigt eine Recherche von Public Eye (ehemals Erklärung von Bern): Zwischen 2012 und 2016 wurde viermal Paraquat und dreizehnmal das Herbizid Atrazin in afrikanische, asiatische und südamerikanische Länder exportiert. Atrazin ist in der Schweiz ebenfalls verboten. Die Dokumente der Bundesverwaltung, deren Veröffentlichung Public Eye unter Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz erreicht hat, sind anonymisiert. Dennoch bestehe kein Zweifel, dass es sich beim Exporteur um den Basler Chemiemulti Syngenta handle, schreibt Public Eye. Die grüne Genfer Nationalrätin Lisa Mazzone hat letzte Woche eine Interpellation zum Thema eingereicht.

Anfang Juni wird Syngenta vom chinesischen Staatskonzern ChemChina übernommen. Wie viel langfristig vom Produktionsstandort Basel übrig bleibt, ist unklar. Damit schwindet auch der Einfluss der Schweiz auf den Konzern. Diese hat ihre Verantwortung allerdings bisher schon nicht wahrgenommen: Zynischer als die Schweizer Exportpolitik wird auch die chinesische nicht werden.

Am Samstag, 20. Mai 2017, findet der «March against Monsanto and Syngenta» statt. Treffpunkt 14 Uhr auf dem Barfüsserplatz in Basel.

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