Nr. 21/2015 vom 21.05.2015

Giftiger Bodenschutz à la Syngenta

Von Bettina Dyttrich

Vielleicht haben Sie es noch nicht gemerkt: Wir schreiben das Uno-Jahr des Bodens. Eine Handvoll fruchtbare Erde enthält mehr Lebewesen, als es Menschen gibt. Doch fast nur Fachleute beschäftigen sich mit der faszinierenden Welt unter den Füssen.

Ausgerechnet das giftigste Herbizid auf dem Weltmarkt soll beim Bodenschutz helfen: Paraquat vom Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta. Wenn man es spritze, müsse man nicht mehr pflügen und schone so den Boden, wirbt Syngenta auf der Website paraquat.com. Paraquat-resistente Gentech-Nutzpflanzen habe man bewusst nicht entwickelt, denn das Produkt sei wichtig, um Unkräuter zu vernichten, die gegen andere Herbizide resistent geworden seien. Diese «Superunkräuter» entwickeln sich zwangsläufig im Gefolge von herbizidresistenten Nutzpflanzen. So verdient die Agrochemie an den Problemen, die sie selbst verursacht hat.

In der Schweiz und der EU ist Paraquat – ein Teelöffel reicht, um einen Menschen zu töten – schon lange nicht mehr zugelassen. In Westeuropa sei die «Befindlichkeit» eben etwas anders als im Rest der Welt, sagte Syngenta-Geschäftsleitungsmitglied Christoph Mäder letzte Woche in einem Interview mit dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst. Die Kritik an Gentechnik und hochgiftigen Herbiziden «Befindlichkeit» zu nennen, ist ziemlich dreist. Und Mäder verschweigt, dass der Widerstand nicht nur in Europa wächst: Burkina Faso fordert, dass Paraquat auf die Liste der besonders gefährlichen, streng reglementierten Stoffe des Rotterdamer Übereinkommens über den Handel mit gefährlichen Chemikalien kommt. Indien und Guatemala haben das letzte Woche in Genf verhindert – mit Unterstützung der Industrie.

Der weltweite «March against Monsanto», der am Samstag auch in der Schweiz stattfindet (vgl. Politour-Rubrik), ist eine gute Gelegenheit, das Uno-Jahr des Bodens zu feiern – für einen Bodenschutz, der diesen Namen verdient. Syngenta ist beim March against Monsanto mitgemeint, denn vielleicht wird der Schweizer Konzern bald vom US-Multi übernommen. Ein wichtiger Grund für die Fusionsgelüste sollen die resistenten Unkräuter sein. Sie machen Monsanto ziemlich nervös – da hätte man gern Paraquat im Portfolio.

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