Nr. 45/2017 vom 09.11.2017

Prosit, «Loop»!

Von Kaspar SurberMail an AutorIn

Es war ja schon im Titel angelegt, dass es immer nur weitergehen konnte: «Loop» nannte sich die Musikzeitung, die 1997 zum ersten Mal erschien. Und nun also fahre der leicht ramponierte Tourbus ein zum Jubiläum, in die namenlose Strasse, an deren Ende ein winziges Buffet aufgebaut sei, mit einer Torte drauf und Kokosnusslikör: «Wer in die Loop-Redaktion aufgenommen wird, hat das ganz kleine Los gezogen», schreibt ein gewisser Guido Goodluck im Editorial der aktuellen Nummer. Hinter dem Pseudonym versteckt sich Philippe Amrein, der die Redaktion fast von Anfang an betreute, seit 2010 unterstützt von Benedikt Sartorius, den auch WOZ-LeserInnen bestens kennen. Gestaltung und Vertrieb liegen bei Thierry Frochaux, um die Administration kümmert sich Manfred Müller.

Bescheidenheit war schon immer die Stärke der Zeitung. Weder der Hochglanz des «Rolling Stone» noch der poptheoretische Duktus der «Spex» noch die Gesellschaftsanalyse der «Testcard» ist ihre Sache. Im «Loop» regierte stets das informierte Fantum: immer wissend, selten geschmäcklerisch, manchmal euphorisch. Die Bescheidenheit war auch immer den Produktionsbedingungen geschuldet. Das «Loop» erschien stets als Nebenwiderspruch linker Zeitungen, länger nun schon als Beilage zum «P.S.». Gedruckt auf Zeitungspapier, war es Vintage, bevor der Begriff bei uns geläufig wurde.

Der musikalische Schwerpunkt lag über die Jahre stets bei der Rockmusik, vorzugsweise bei der melancholischen. Die Auswahl von Lieblingsplatten in der Jubiläumsausgabe reicht von The Magnetic Fields bis Grizzly Bear, von The Strokes bis zu den Libertines. Und natürlich dürfen auch Bill Callahan und Bonnie Prince Billy nicht fehlen. Vielleicht hätte man sich über die Jahre mehr Elektro gewünscht, mehr Rap und neue Weltmusik. Auf jeden Fall wünschte man sich unter den AutorInnen mehr Frauen.

Was das «Loop» auszeichnet, ist das Verständnis für das subkulturelle Netzwerk in der Schweiz: mit Konzerttipps am Ende jeder Ausgabe und hübsch gestalteten Inseraten, die Reklame machen für den Plattenladen oder die Gelateria. Gefeiert wird dieses Wochenende denn auch gleich an zwei Orten: am Freitag, 10. November, im Café Kairo in Bern und am Samstag, 11. November, im «El Lokal» in Zürich, mit Konzerten von Fuck Yeah.

Prosit also mit dem Kokosnusslikör, oder mit Jeffrey Lewis gesungen: Roll, bus, roll!

Das «Loop» kann man übrigens auch abonnieren, ganz ohne Tamtam zur Rettung des Journalismus: www.loopzeitung.ch.

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