Nr. 01/2018 vom 05.01.2018

Nur fast wie Brüder und Schwestern

Über eine Million SüdsudanesInnen sind seit 2013 vor Bürgerkrieg und Hunger über die Grenze in den Norden Ugandas geflohen. Dort erhalten die Geflüchteten Land, um ein neues Leben aufzubauen. Ganz uneigennützig ist die ugandische Regierung dabei aber nicht. Und für die Versorgung der Menschen fehlen viele Millionen US-Dollar.

Von Andrea Jeska (Text) und Klaus Petrus (Fotos)

Zuflucht im Grenzgebiet (grosse Ansicht der Karte). Karte: WOZ

Es ist ein Tag, an dem es kein Speiseöl gibt. Und auch in den Säcken mit Maismehl ist weniger, als den BewohnerInnen der Siedlung Omugo im nördlichen Uganda zusteht: 11,7 Kilo pro Person für den nächsten Monat. Dazu Bohnen, 12 Kilo, Salz, 150 Gramm, und Öl, 0,8 Liter. Doch die Öllieferung hängt irgendwo an der Grenze fest, und die Rationen für Maismehl müssen gekürzt werden, weil Geld fehlt. Geld, das von Uno-Mitgliedstaaten eigentlich versprochen wurde, damit Hilfsorganisationen nicht nur Lebensmittel an die südsudanesischen Geflüchteten verteilen, sondern auch Brunnen bohren, medizinische und psychologische Versorgung gewährleisten, impfen, Schulen bauen und Krankenstationen, Strassen anlegen und Kleinkredite für neue Existenzen vergeben können. 674,25 Millionen Dollar werden gebraucht. 20,5 Millionen sind beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, dem UNHCR, bislang eingegangen.

Viele Stunden musste Elizabeth Araba für ihr Mehl und die Bohnen anstehen, in langen Reihen vor den Vergabepunkten am Rand der Siedlung. Hunderte von Säcken liegen dort gestapelt unter Laubbäumen, von MitarbeiterInnen der Hilfsorganisation World Vision bewacht und verteilt. Wer seinen Anteil haben will, muss eine Identifikationsnummer vorzeigen, sich in Listen eintragen, Geduld haben. Kinder stehen dort an und alte Frauen wie Araba, Mütter mit Babys auf dem Rücken, Männer mit Krückstöcken. Unruhe kommt auf, als sich herumspricht, dass es heute nicht die Menge gibt, die den Geflüchteten zusteht. Einige junge Männer beginnen, die Leute von World Vision anzupöbeln, werden freundlich, aber bestimmt zurück in die Reihe verwiesen.

Die letzten Lebensmittel, die Araba vor einem Monat bekam, sind seit zehn Tagen aufgebraucht, sie hätte hungern müssen, hätten ihre NachbarInnen sie nicht mitversorgt. NachbarInnen, die Gemüse pflanzen und für Geld kleine Arbeiten erledigen können. Sie kann das nicht; sie ist 85 Jahre alt, Witwe, Mutter von vier Kindern, von denen aber nur noch ein Sohn lebt. Araba hat Parkinson. Die Krankheit lässt ihre Hände und Beine zittern. Sie kann kaum gehen. Und einen Gemüsegarten anlegen, wie es die anderen machen, schon gar nicht.

Elizabeth Araba ist eine von über einer Million Geflüchteten aus dem Südsudan, die bis heute in fünf Provinzen des Nachbarlands Uganda Zuflucht gefunden haben. Uno-Generalsekretär António Guterres nennt den Exodus aus dem Südsudan eine der weltweit grössten Flüchtlingskatastrophen seit dem Genozid in Ruanda im Jahr 1994. In Arabas Heimat herrscht eine unvergleichliche Hungersnot. Daran ist nicht nur der seit 2013 währende Bürgerkrieg schuld, der die Menschen aus ihren Dörfern vertreibt, sondern auch anhaltende Dürren. 5,3 Millionen SüdsudanesInnen, so die Schätzungen, sind insgesamt vertrieben worden. Sie flohen entweder in Nachbarländer oder versteckten sich im Busch und in Sumpfgebieten.

«Ein Jammer. Ein Jammer ist das Leben.» Mit einem Maismehlsack zwischen den Beinen sitzt Araba auf dem Boden und wartet darauf, dass ihr jemand hilft, die Last nach Hause zu tragen. Sie erzählt, was sie alles verloren hat. Die Hütte, ihr Heim seit fünfzig Jahren, angezündet von Rebellen, das Strohdach brannte gleich lichterloh, nichts war mehr zu retten. «Nur die Kleider auf dem Leib», sagt sie und zieht an ihrem Rock. Kendila heisst ihr Dorf, dreissig Leute lebten dort; zehn starben im Feuer, zwanzig machten sich gemeinsam auf den Weg in Richtung Uganda. Zu Fuss. Kreuz und quer durchs unwegsame Buschland, stets den zersplitterten Rebellengruppen ausweichend. Abwechselnd trugen die Männer sie auf dem Rücken.

Als Araba nach wochenlanger Flucht die Grenze zu Uganda erreichte, sei sie mehr tot als lebendig gewesen. Und dann die Erlösung von aller Anstrengung und Angst. Man brachte sie mit einem Bus zum Aufnahmezentrum, bereitete ihr warme Mahlzeiten und ein Bett. Man baute ihr aus Pfählen und einer UNHCR-Plane eine Hütte, gab ihr Lebensmittel, Pfannen, Decken, Kleidung. «Ich habe Gott gedankt, dass er mich errettet hat. Doch es ist etwas für die Jungen, ein neues Leben zu beginnen. Nicht für eine alte Frau wie mich.»

Logistische Zerreissprobe

«Wir wollen kein zweites Dadaab.» Wann immer man im Norden Ugandas mit VertreterInnen der Regierung spricht, fällt dieser Satz. Er fasst die ugandische Flüchtlingspolitik treffend zusammen: Zuallererst sollen Zustände verhindert werden, wie sie im Osten Kenias herrschen. Eine Million Flüchtlinge aus Somalia leben dort in mehreren gigantischen Zeltstädten, gemeinsam mit Tod und Terror, Cholera und Chaos.

Um die Entstehung eines neuen Dadaab abzuwenden, verteilt die ugandische Regierung Land an sämtliche Neuankömmlinge, steckt Parzellen von fünfzig mal fünfzig Metern ab. Darauf lässt sich ein Haus bauen und Landwirtschaft in kleinem Rahmen betreiben. Mit jedem Eintreffen einer grösseren Gruppe Geflüchteter entsteht eine neue Siedlung. Die erste Ansiedlung Bidi Bidi, die im Jahr 2016 gegründet wurde, hat sich inzwischen zu einer Kleinstadt ausgewachsen. 260 000 Menschen leben dort, es gibt Märkte, Kirchen, Schulen, Garküchen, Friseure und Kleinunternehmerinnen, die mit Gebrauchswaren handeln. Viele haben ihr provisorisches Heim aus Pfählen und Planen bereits durch eine Hütte ersetzt, Gärten angelegt, Zäune gezogen. RegierungsvertreterInnen verweisen stolz darauf, dass Bidi Bidi nun nicht mehr von anderen Kleinstädten in Ugandas Norden zu unterscheiden sei.

Für diese Grosszügigkeit gegenüber den Geflüchteten hat das Land viel internationale Anerkennung bekommen. «Was hier versucht wird, ist weltweit einmalig», sagt Jens Hesemann, Koordinator des UNHCR in Uganda. «Versuchen Sie mal, Landvergabe an Flüchtlinge in einem europäischen Land politisch durchzusetzen. Unmöglich.»

Hesemann kam 2016 nach Uganda. Damals sei es darum gegangen, Leben zu retten. «Jetzt aber sind wir an dem Punkt, wo wir den Krisenstatus in eine stabile Situation überführen müssen, wenn wir langfristig Konflikte zwischen den Einheimischen und den Flüchtlingen vermeiden wollen.» Doch für diese Überführung in eine neue Phase fehle Geld. «So gross die südsudanesische Not auch ist, sie stösst auf wenig internationales Interesse und Spendenbereitschaft. Uns fehlen Millionen, um die Versorgung der Flüchtlinge zu gewährleisten», sagt Hesemann. «Was passiert, wenn diese Krise ganz aus dem Blickfeld gerät?»

Auch die ugandische Regierung hat Angst, dass die Gelder dereinst nicht mehr fliessen könnten. Auf einer Geberkonferenz der Vereinten Nationen im Juni 2017 sagte Präsident Yoweri Museveni, sein Land werde die Herausforderung bewältigen – aber nur, wenn die internationale Gemeinschaft weiter hinter ihm stehe. Sein Aussenministerium äusserte via Twitter anschliessend seine Enttäuschung über die 358 Millionen US-Dollar, die von den Delegierten für die Zukunft zugesagt worden waren. Uganda hatte angegeben, 8 Milliarden Dollar zu benötigen.

Dass Präsident Musevenis «Wir schaffen es!» inzwischen nicht mehr ganz so optimistisch klingt, liegt am Ausmass der herrschenden Katastrophe. Noch Anfang 2016 schätzte man, 300 000 Personen würden nach Uganda flüchten. Im Dezember desselben Jahres waren es dann aber bereits 800 000. Bidi Bidi, konzipiert für allerhöchstens 600 000 Menschen, platzte aus allen Nähten. Die Weltbank gab der ugandischen Regierung fünfzig Millionen Dollar, um Landkäufe zu tätigen. Immer mehr Verzweifelte kamen an. Im Sommer 2017 erreichten täglich über 600 Menschen die Grenzübergänge. In Windeseile wurde Land von den Kommunen erworben, wurden immer mehr Siedlungen abgesteckt.

Doch ein Stück Land macht noch kein neues Leben, und die Versorgung der Ankommenden wurde zur logistischen Zerreissprobe. «Die Krise hat uns überfordert und tut es zum Teil noch immer», sagt Armitage Basikarne. Er ist ein korpulenter Mann mit einer leisen Stimme. Als Angestellter der Regierung hat er das Sagen und die Kontrolle über Omugo und die Nachbarsiedlungen. «Die Krise hat aber nichts an unserem Wunsch geändert, die Flüchtlinge zu integrieren und ihnen zu ermöglichen, sich nach einem Zeitraum von drei Jahren selbst zu versorgen», sagt Basikarne. «Der Krieg im Südsudan wird noch viele Jahre dauern. Wir können die Menschen nicht für Generationen in Abhängigkeit halten.» Basikarne verhandelt sowohl mit Kommunen als auch mit Hilfsorganisationen. Beide würden wichtige Säulen des Erfolgs bilden. Die dritte Säule sei aber die lokale Bevölkerung: «Die Leute sind bereit, ihr Wasser, ihre Märkte, Schulen, Kirchen und auch ihr Land zu teilen. Viele erinnern sich daran, dass sie in den siebziger Jahren selbst in den Sudan flohen. Sie sehen die Flüchtlinge als ihre Brüder und Schwestern.»

Vernachlässigte Region

Die Auswirkungen der finanziellen Engpässe zeigen sich im Alltag der Geflüchteten nicht nur an der gelegentlichen Knappheit der Lebensmittel, sondern vor allem auch an der Wasserversorgung. Wasser wird mit riesigen Tanklastern in die Siedlungen gebracht. Eine kostspielige Angelegenheit und unzuverlässig obendrein. Die Laster bleiben in den sandigen Wegen stecken, oder es brechen die Achsen. Mehr Brunnen zu bohren, wäre eine Lösung. Doch das dauert. Und beides parallel zu finanzieren, ist angesichts des Geldmangels unmöglich.

Zuständig für neue Brunnen ist in den Siedlungen die Organisation Malteser International. «Wir haben seit Beginn der Krise 300 Brunnen gebohrt», sagt Alexander Tacke-Köster, Programmkoordinator der Malteser in Ugandas Norden. «Mindestens 600 fehlen uns noch, nicht nur für Trinkwasser, sondern auch für Bewässerung der Gärten und Felder. Aber wer soll das bezahlen?» Ungeklärt sei auch die Frage, was mit dem Grundwasserspiegel geschehe, wenn so viele Brunnen gebohrt würden. «Sinkt der und haben die Kommunen hier kein Wasser mehr, gibt es Probleme.» Eine Überlegung sei, Wasser aus dem Nil zu pumpen, ein Leitungssystem bis in die Siedlungen zu verlegen. «Aber auch das würde ein Vermögen kosten.»

Ugandas Gastfreundschaft ist nicht uneigennützig – und das Geschenk der Regierung an die Geflüchteten hat Flecken. Denn der Norden Ugandas ist eine von der Regierung seit Jahrzehnten vernachlässigte Region. Lange verbreitete der Warlord Joseph Kony dort Angst und Schrecken, liess Kinder entführen, liess morden, plündern und vergewaltigen. Die asphaltierten Strassen enden abrupt und gehen in Sandwege über, die sich in der Regenzeit in schlammige Pfade verwandeln. Die hier ansässigen Menschen sind vielfach ebenso arm wie die Geflüchteten aus dem Südsudan, ernähren sich von Subsistenzwirtschaft und dem Herstellen von Holzkohle. Jede Dürre kann hier der Beginn einer Hungersnot sein.

Die Investitionen internationaler Geldgeber kommen der ugandischen Regierung recht. Die Krise ist für sie eine Chance, einen bitterarmen Teil des Landes mit Geldern aus dem Ausland zu erschliessen. Hilfsorganisationen beklagen, dass finanzielle Zuwendungen, die für die Geflüchteten bestimmt sind, in den Taschen von PolitikerInnen verschwänden. Die KritikerInnen wollen nicht namentlich genannt werden; sie wissen, dass eine solche Anschuldigung ihre Arbeit gefährden würde. Die Regierung verteile ausserdem nur steiniges und trockenes Land, sagen einige. Damit sei es untauglich für die Landwirtschaft. Auch versuche die Regierung, die Geflüchteten als Druckmittel zu nutzen, um internationale Etathilfen zu bekommen. «Sonst, so die Drohung, werde sie die Grenzen schliessen», berichtet der Mitarbeiter einer Organisation.

Nachbarschaftliche Solidarität

Die Beziehungen zwischen der ansässigen Bevölkerung und Neuankömmlingen ist nicht immer einfach, die anfängliche Solidarität ist strapaziert. Seit die Geflüchteten da sind, sind auf den Märkten die Preise für Grundnahrungsmittel gestiegen. Die Umwelt leidet. Und die Neuankömmlinge brauchen Holz zum Kochen, fällen deshalb die Bäume. Müll flattert durch die Siedlungen. Einige Geflüchtete haben ihre Herden retten können und bis nach Uganda getrieben, für diese brauchen sie nun Weideland. Auch das ist knapp.

Unruhen liessen sich bislang vermeiden, nicht zuletzt, weil jedes Hilfsprojekt gemäss einer Regelung zu dreissig Prozent der örtlichen Bevölkerung zugutekommen muss. Ansässige würden nun weniger weit zum nächsten Brunnen, Krankenhaus oder zur nächsten Schule gehen müssen, sagt Armitage Basikarne. Nur von den Lebensmittelverteilungen würden sie nicht profitieren – und es sei schwer, dies jenen klarzumachen, die selbst ebenfalls kaum zu essen hätten.

In Basikarnes Bild der Säulen, auf denen die ugandische Flüchtlingspolitik ruht, fehlt eine vierte: die Geflüchteten selbst. In ihren Siedlungen halten sie jene gesellschaftlichen Strukturen aufrecht, die ihnen schon in der Heimat Stütze gewesen waren: Nachbarschaftshilfe, Verantwortung füreinander oder für jene, die hilfsbedürftig sind. Und das sind viele. 28 000 Kinder etwa sind ohne ihre Eltern hier angekommen, weil diese entweder tot sind oder man sich im Chaos der Flucht aus den Augen verloren hat.

Zuständig für die Versorgung der schwächsten unter den Geflüchteten ist die Organisation Handicap International, die sich für Menschen mit Behinderung und andere besonders schutzbedürftige Menschen einsetzt. Hier in den Siedlungen schickt sie Psychologinnen und Sozialarbeiter in die Familien, unterstützt alleinstehende Mütter, therapiert Traumatisierte, sucht Pflegefamilien für die elternlosen Kinder. Doch für die vielen Tausenden, die der Härte des Lebens als Geflüchtete nicht gewachsen sind, gibt es zu wenige MitarbeiterInnen, und die Hilfsangebote erreichen lange nicht alle.

«Wir sind es gewohnt, uns gegenseitig zu helfen. Wir haben einen weiten Begriff von Familie», sagt Gassim Kenneth. «Er schliesst auch jene ein, die aus demselben Dorf kommen, derselben Ethnie angehören. Wir sagen nicht: Das sind deine Kinder, das ist deine Aufgabe. Wir sagen: Es sind unsere Kinder, unsere Aufgaben.» Kenneth, ein schlaksiger 37-Jähriger, lebt mit seiner Frau Jasmin und neun Kindern seit 2016 in der Siedlung Omugo. Vier dieser Kinder sind seine eigenen, fünf sind Kinder anderer Familien aus seinem Dorf im Südsudan. Denn alle, die dort gewohnt hätten, seien gemeinsam geflohen, als Rebellen die Hütten beschossen und in Brand gesteckt hätten. «Von unserem Dorf war nichts mehr übrig. Ich sagte zu den anderen: ‹Ich gehe nach Uganda, kommt mit›», erzählt Kenneth. «Sie wollten bleiben, aber sie fragten, ob ich ihre Kinder mitnehmen könne. Denn in Uganda gebe es Schulen, vielleicht würden sie dann ein besseres Leben haben.»

Das Ankommen in Omugo war für die erweiterte Familie Kenneth zwar die Rettung. Aber ein Eintreten ins Paradies war es nicht. «Das Land, das wir bekamen, war trocken, es gab damals nur einen Brunnen, und was man uns an Essen gab, hatte keine Vitamine», sagt Kenneth. «Die erste Zeit assen wir jeden Tag nur Mehlbrei und Bohnen, Mehlbrei und Bohnen.» Nachdem zwei weitere Brunnen gebohrt worden waren, begann Kenneth, einen Gemüsegarten anzulegen. Die Organisationen gaben ihm Samen und Tipps. «Nicht jeder, der hierherkommt, ist ein Bauer», sagt Gassim: «Daheim war ich Automechaniker, ich hatte keine Ahnung von Landwirtschaft. Aber ich wusste, wenn wir satt werden wollen, muss es mir gelingen.»

Das tat es. Sein Garten ist inzwischen so üppig, dass Kenneth die neun Kinder in seinem Haus damit ernähren und noch etwas an die NachbarInnen abgeben kann. Was er gerne tue, aber nur, wenn diese für den Frieden seien. «Mancher, der hier ankommt, bringt die Gewalt mit sich, ist aggressiv, will wissen, von welcher Ethnie ich bin. Ich sage dann: ‹Was zählt das jetzt noch?›», sagt Kenneth. «Hier sind wir alle nur Flüchtlinge, alle nur Opfer eines sinnlosen Kriegs.»

Auch Elizabeth Araba hat Hilfe ausserhalb der Organisationsstrukturen gefunden. Die Nachbarsfamilie wäscht und versorgt die alte Frau. Deren Sohn, der dreizehnjährige Emmanuel, trägt ihre Lebensmittel nach Hause, begleitet sie zur Krankenstation, fegt vor ihrer Hütte. Die Frage, ob ihn seine Mutter darum gebeten habe, findet Emmanuel seltsam. Schon zu Hause, in seinem Dorf neben dem Fluss Yei, habe er die alten Menschen gekannt und ihnen geholfen. «Wir lassen niemanden allein», sagt er. «Hier erst recht nicht.»

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