Nr. 21/2018 vom 24.05.2018

Kredite für die Dreckigsten

Von Daniel Stern

Die Skandale um das kanadische Bergbauunternehmen Barrick Gold reissen nicht ab. So sind 2015 mehr als eine Million Liter hochgiftiges Zyanid aus seiner argentinischen Mine Veladero in fünf Flüsse der Umgebung gelangt. 2016 wiederholte sich die Umweltkatastrophe am gleichen Ort, obwohl das Unternehmen zugesichert hatte, es würde die Kontrollen und Sicherheitsmassnahmen verschärfen. Doch es sind nicht nur Umweltschäden: Laut einer neuen Studie der deutschen NGO Facing Finance sind die Minenaktivitäten von Barrick Gold «von Afrika bis Papua-Neuguinea» von «gewalttätigen Sicherheitskräften, sexuellen Übergriffen und Tod geprägt». So würden etwa staatliche und private Sicherheitsleute der North Mara Gold Mine in Tansania die lokale Bevölkerung schon seit Jahren terrorisieren, mit bereits Dutzenden von Todesopfern.

Doch Barrick Gold erhält laut Facing Finance weiterhin Milliarden von europäischen Banken, um sein Geschäft fortsetzen zu können. Alleine die UBS hat Barrick Gold zwischen 2010 und 2017 Kredite in der Höhe von über einer Milliarde Euro gegeben, zuletzt noch 2016.

Gemäss Facing Finance haben die zehn global umstrittensten Bergbaukonzerne in den letzten acht Jahren von den zehn grössten europäischen Banken insgesamt über hundert Milliarden Euro Kredite erhalten. Fast zwanzig Milliarden davon stammten von der CS und der UBS, wobei fünf Milliarden Euro an die Gruppe der «besonders Üblen» gegangen seien, zu der auch Barrick Gold gezählt wird.

Diese Finanzierungen kontrastieren mit den Richtlinien beider Banken. So sollen bei der UBS Risiken für Umwelt und Soziales in Investitionsentscheide einfliessen. Und die CS hält fest, dass sie Minenunternehmen weder finanziert noch berät, die in schwere Menschenrechtsverletzungen involviert sind. Immerhin gibt es noch Hoffnung: Laut der Studie haben die beiden Banken in den letzten zwei Jahren die Finanzierung der umstrittenen Bergbaukonzerne signifikant reduziert. Ob dies ein länger anhaltender Trend ist, bleibt allerdings offen.

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